Walter Krämer

Veröffentlicht: 11. Dezember 2014 in Punkgebte
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walter KraemerAm 3. November war es soweit. Die Stadt veröffentlichte unter dem unspektakulären Namen „Bekanntmachung der Universitätsstadt Siegen Neubenennung eines Platzes in Siegen“ einen Beschluss des Bauausschusses, der Lokalgeschichte geschrieben hat.

„Der Rat der Stadt Siegen hat in seiner Sitzung am 29. Februar 2012 die nachstehende Neubenennung eines Platzes in Siegen beschlossen: Der Platz, vor dem Haupteingang des Kreisklinikum Siegen GmbH, Weidenauer Straße 76, erhält die Bezeichnung:
‚Walter-Krämer-Platz‘
Nach inzwischen erfolgter Fertigstellung des Platzes soll mit dieser Benennung die humanitäre Leistung von Walter Krämer im KZ Buchenwald gewürdigt werden.

Siegen, den 03.11.2014 Der Bürgermeister“

Dass dieser Vorgang tatsächlich etwas besonderes ist, stellten auch die Lokalpolitiker fest:

„‚Der Umsetzungsvorschlag von Erwin Wortelkamp ist in jeder Hinsicht überzeugend und hat die schwierige Aufgabe einer angemessenen Würdigung des humanitären Wirken Walter Krämers nach sieben Jahrzehnten ergebnisloser öffentlicher Diskussion in beeindruckender Weise gelöst‘, erklären Bürgermeister Steffen Mues und Landrat Paul Breuer in einer gemeinsamen Mitteilung“ im Januar. (eig. Herv.)
Die Einweihung

Heute ist nach längerem politischen Ringen, der Platz vor dem Kreiskrankenhaus eröffent worden. Und wie die Vorgeschichte war auch die Einweihung des Platzes nicht ganz reibungslos verlaufen. Und die Nachricht vom zweiten Versuch der Einweihung wurde offenbar nicht breit gestreut, denn auch auf der Facebookseite der VVN BdA Siegen, immerhin einer der Motoren für die Erinnerung an den Antifaschisten Walter Krämer, wurde am 6. Dezember noch verwundert gefragt: „Hat schon wer eine Einladung zum 2. Versuch der Einweihung des Walter-Krämer-Platz bekommen?“  Und ich habe den Termin leider ebenfalls verpasst, da erst heute morgen erhalten. Ein Foto des Platzes folgt also erst morgen. Ein guter ein Anlass mich Walter Krämer, dem Gerechten unter den Völkern“,  wie ihn das  „Weltzentrum der Dokumentation des Holocaust“ Yad Vashem nennt, zu nähern.

Nur eine kurze Ergänzung

Da es wirklich sehr informative Seiten über Walter Krämer gibt, und nicht nur bei Wikipedia, sondern auch die Seite des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V. und der VVN BdA Antifa in Siegen, dessen Links ich zum Teil genutzt habe, will ich auf eine Darstellung verzichten.  Der Schlosser Walter Krämer, der selbst als Politischer im Lager war, hat sich als Pfleger im Häftlingskrankenbau Buchenwald selbst aus Büchern und mit Hilfe mündlicher Anleitungen von Mitinsassen medizinische Kenntnisse angeeignet und heimlich Verwundete und Kranke versorgt. Damit hat er sich selbst in Gefahr gebracht. „So war es! Und weil es so war, gehört es zu meiner menschlichen Pflicht, den Namen dieses hervorragenden Menschen der Vergessenheit zu entreißen.“ Dies schrieb Bruno Apitz in einem Brief an Kurt Roßberg, der ebenfalls auf der Homepage der Antifa zu finden ist.

Tatsächlich war und ist der Humanismus des Walter Krämer vorbildlich.

„In einer Welt totalen moralischen Zusammenbruchs gab es eine kleine Minderheit, die außergewöhnlichen Mut an den Tag legte, um menschliche Werte hochzuhalten. Dies waren die Gerechten unter den Völkern. Sie stehen in krassem Gegensatz zu der Gleichgültigkeit und Feindseligkeit der während des Holocaust vorherrschenden Massen. Entgegen der allgemeinen Tendenz betrachteten diese Retter die Juden als Mitmenschen, für die sie sich grundsätzlich verantwortlich fühlten.“

So heißt es auf der Seite Yad Vashems. Da in diesem Zentrum Menschen mit verschiedenen religiösen Hintergründen als Gerechte geehrt werden, ist die Humanität der gemeinsame Nenner. Wenn es aber um die konkrete Gestaltung der Erinnerung vor Ort geht, ist eine Trennung zwischen dem humanistischen Wirken und dem politischen Hintergrund aus meiner Sicht nicht mehr legitim. Dass die Siegener LINKE nun die Adressänderung des Krankenhaus fordert, ist aus meiner Sicht weniger wichtig, als darauf hinzuweisen, dass sein Wirken auch Ausdruck seiner politischen Haltung war. Denn obwohl viele andere Opfergruppen nun benannt sind, gehört der kommunistische Widerstand zu den Gruppen, mit der sich Teile der Gesellschaft nach wie vor schwer tun.

Ganz anders erinnerte die „Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Siegerland-Wittgenstein (VVN-BdA)(…) in der Niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover in diesem Jahr zur Erinnerung an den in Siegen geboren KPD Funktionär Walter Krämer“. „Hannover war der letzte freiwillig gewählte Wohnort von Walter Krämer und seiner Frau Liesel. Walter Krämer übernahm hier Ende Mai 1932 die Funktion des politischen Sekretärs der Bezirksleitung Niedersachsen der KPD.“

Dennoch, allen, die daran mitgearbeitet haben, dass Walter Krämer nun gedacht wird, herzlichen Dank von einem Unbeteiligten. Doch nachdem ihm nun auch in Siegen als Humanist gedacht wird, muss es auch möglich werden, Walter Krämer als Kommunist, der er war, zu gedenken.

 

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