9. November – Geschichtspolitik

Veröffentlicht: 9. November 2014 in Politik
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Als der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit bestimmt wurde, vorher war es der 17. Juni, und nicht der Tag des Mauerfalls, war dies durch das Bewußtsein bestimmt, dass man am 9. November, an dem 1938 die Reichspogromnacht stattfand, keinen Nationalfeiertag feiern wollte.Heute wird in Berlin gefeiert und bereits seit einer Woche wird darüber geredet. Während die Lokführer streikten, machten sich Radiosprecher sorgen, dass die Feierwilligen nicht mit dem Bus nach Berlin fahren könnten. Warum heute nun der Mauerfall und damit doch am 9. November mit einem Bürgerfest gefeiert wird, will mir nicht in dem Kopf. Auch die Erklärung der Stadt Berlin will mir nicht einleuchten

„2014 feiert Berlin das Jubiläum des Falls der Berliner Mauer im Jahr 1989. Anläßlich des historischen Ereignisses finden das ganze Jahr über Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die sich mit dem Bau der Berliner Mauer, der Teilung Berlins, dem Kalten Krieg und der Friedlichen Revolution von 1989 beschäftigen. Höhepunkt ist das Wochenende 08./ 09. November 2014, an dem entlang des ehemaligen Mauerverlaufs quer durch Berlin eine große Licht-Installation zu sehen sein wird.“

OK. Es war die erste und einzige „Revolution“ die in Deutschland geklappt hat und daran sollte man sich erinnern. Es hat aber auch was Drolliges. Sicher ist es die größte Kunst Chancen zu ergreifen, aber es erinnert doch an den deutschen Sozialdemokraten, der sich eine Bahnfahrtkarte zur Revolution löst, dass die friedliche Revolution der Reiseverordnung der SED bedurfte. Dass dann noch Chaos im Politibüro ausbrach, war sicher mit einer der revolutionären Akte des Abends.

1918

Am 9. November 1918 riefen Philipp Scheidemann, die „Deutsche Republik“ und Karl Liebknecht, „einer der Anführer des linksrevolutionären Spartakusbundes, vom Berliner Stadtschloss aus eine als Räterepublik gedachte „freie sozialistische Republik Deutschland““ aus. Und hätten die verschiedenen linken Parteien damals gemeinsam daran gearbeitet, wäre wohl vieles erspart geblieben.

 

1938

„Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht genannt – waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich.

Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.“

 

Dass zwischen diesen verschiedenen Daten des Geschichte und der Gegenwart eine Verbindung, eine bewußte Geschichtspolitik, besteht, darauf weisen die beiden HistorikerInnen Heidi Tworek und Thomas Weber in der FAZ hin. Selbst die Stilisierung des „9. Novembers“ als „Schicksalstag der Deutschen“ muss man in diesem Zusammenhang sehen. Dass dies bei der Ausrichtung der Feierlichkeiten in diesem Jahr keine Rolle spielt, ist deprimierend.

 

 

 

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