Ich, wennjawieviele?

Veröffentlicht: 12. Oktober 2014 in Allgemein
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Ich plage mich mit Ich-Findungsproblemen, ich bekomme die Rollen nicht zusammen, fuck Soziologie.

Ähnliche Tätigkeiten: Call Center Agents und irtuelle Schüler.

photo credit: keepingtime_ca via photopin cc

Ich bin ja ein wenig bescheuert und zu buchstabentreu. Vor einer kleinen Ewigkeit besuchte ich ein Seminar zum schönen Thema „Entfremdung“, wohlgemerkt in der Pädagogik. Damals stieß ich zum ersten Mal, auf den Sprachphilosophen Humboldt, Wilhelm von Humboldt.

Wenn ich über etwas nachdenke, entäußere ich mich, verbinde mich mit etwas anderem und diese (gedanklich-sprachliche) Verbindung verändert nicht nur mich sondern auch das Objekt. Wenn ich also wieder ganz bei mir bin, hat mich der kleine Ausflug verändert. Genau an diesem Punkt, könnte man dort anknüpfen, wenn es um ich-Verlust geht. In diesem Fall gelingt es mir dann nicht mehr zu mir zurückzukehren und noch schlimmer. Der Prozess der Veränderung und des verändert werdens, der an auch ein Prozess der Weltaneignung bedeutet, findet nicht mehr statt. Die Welt verändert mich jedoch trotzdem, in dem ich immer mehr alleine zum Empfänger unbearbeiteter Signale werde.

Der Prozess der Entäußerung kann also dazu führen, dass man sich verliert. Gelingt dieser Prozess jedoch nennt man dies Bildung. Das heißt, dass Bildung zur Entfremdung führen kann, aber genauso ein Prozess sein kann, der einen verändert, wenn man aktiv daran mitwirkt, dass sich auch das Objekt der Bildung verändert, die Welt. Bildung verändert also. Genauso, wie die Arbeit und alle Erlebnisse, die dazu führen, dass man sich entäußert, auch ein Prozess der Aneignung sein sollte und damit zu einem Prozess der Selbstformung wird.

Rollen

Die Theorie der Rollen geht dagegen aus, dass es ein Verständnis und bestimmten Erwartungen gibt, wie diese „gespielt“ bzw. ausgefüllt werden sollen. Die Gesellschaft stellt damit weitgehend sicher, dass alle entsprechend der Rollenerwartungen agieren und reagieren. Die Transmissions-riehmen dieser Begehren sind die Religionen und Ideologien, die zur zweiten Haut werden.  Und deshalb scheint die Bewegung des Denkens gleich. Und aus dem Prozess der Bildung, dem pesönlichen Entäußern und Aneignen, wurde etwas Ständisches mit Siegeln, Graden und Funktionen. Und je komplexer die Gesellschaft wird umso vielfältiger die Rollen, die sie zu vergeben hat. Was liegt also näher, als wenn die Ideologie an der Bildung ansetzt.

Bildungsmaterialien

Was ist einfacher, als mittels Bildungsmaterialien zumal für „Sprachschüler“ andere Inhalte zu transportieren. Auch wenn ich gerade Wirtschaftsenglisch lerne, stellt sich mir die Frage ob such sentances like: „We want our employees to be motivated and to see the investment in the new gym as a sign of our commitment to them and their well-being.“  Oder: „You’ll get more satisfaction from work and also have better results with a healthy work-life balance.“  Hier wird offensichtlich das Lernen der Sprache mit einer bestimmten Sicht auf das Arbeitsleben und die Freizeit als reine Regenartion und Reproduktion für das Arbeitsleben gedacht.
Obwohl nur einer der Teilnehmer aus dem unteren Management stammt und sonst von der Langzeitarbeitslose, ehemaligen Verkäuferin über die Sekretärin bis zum Berufswechsler alles dabei ist, werden hier quasi Managementweisheiten aus den Ratgebern der vergangenen Dakaden weitergegeben.

Ich höre durch meine Kopfhörer und sitze da und weiß um meine Rolle, die schon durch den Bildungs“Gutschein“ des Arbeitsamtes amtlich ist. Ich weiß, dass ich sicherlich mehr auf Unverständnis stoßen würde, würde ich von den Vokabeln und dem gemeinsamen Ziel des Londoner Sprachzertifikats ablenken. Wer bin ich schon. Ich hör mir den akademischen Lebensweg meiner Netivespeaker-Lehrerin an und die stolze Sehnsucht der Karstadt-Mitarbeiterin. Also was tun, schließlich sitze ich im Kurs Wirtschaftsenglisch. Aber muss ich denn auch noch die Konzepte und den Neusprech auf die Ohren bekommen?

Wäre es ein akademischer Austausch hätte ich nicht geschwiegen, aber als ein Kursteilnehmer des Arbeitsamtes, der sich im virtuellen Klassenzimmer in einer Schüler-Situation befindet, ist dies was anderes. Dass die MitschülerInnen aus dem Abeitsleben kommen und der Arbeitsmarkt das Ziel ist, macht die Geduld nicht größer. Die Anforderungen werden zum Ziel des Denkens, die Inhalte scheinbar zur Nebensache und sind dabei doch genauso Ziel der Denkbewegung. Die eigentliche Frage ist allerding, hat sich eine Ideologie nicht schon hegemonial durchgesetzt, wenn sie so beiläufig verhandelt werden kann, yes, is did.

Rollenkonflikt oder Relevanzfrage

Die andere Frage ist, wie geh ich mit meiner Sicht der Dinge um, welche Relevanz besitzt sie und wie wirkt dies? Sprenge ich meine Rolle und lass dann Banales ab, was die anderen ganz unakademisch wissen? Ich glaube dies ist das eigentlich Schwierige, Dinge, mit denen sich der eine als Bildungsgegenstände beschäftigt hat und die einen selber prägten, werden als alltägliche Gegenstände sichtbar. Die eigentliche Frage, die sich stellt, lautet damit nicht alleine, welches Rolle gerade angebracht ist, sondern auch, wie ich die Relevanz meiner vorhergehenden Fragen und Antworten einordnen soll.

 

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