Normalität

Veröffentlicht: 9. Oktober 2014 in Allgemein, Politik
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Er „klagte die Diktatur der Partei an, fordertr direkte Friedensschluss mit Eurasien, trat für Rede-, Presse-, Versammlungsfreiheit ein, schrie hysterisch, die Revolution sei verraten worden“. „Der sture rythmische Marschtritt der Soldatenstiefel bildete die Geräuschkulisse, von der Glodsteins blökende Stimme sich abhob. … Er war ein dauerhaftes Haßobjekt als Eurasien oder Ostasien, denn wenn  Ozeanien mit mit einer dieser Mächte im Krieg lag, so befand es sich gewöhnlich mit der anderen im Friedenszustand.“ (Orwell 1984)

Der Krieg als Normalzustand. Kaum zu glauben, für uns. Oder doch nicht? Vor kurzem habe ich im Radio die Zahl 18 gehört – 18 Auslandseinsätze unterhält die Bundesarmee bzw. -wehr. SInd wir deswegen im Krieg, nein, aber wir leben auch nicht im Frieden. Medial befinden wir uns Dauerkrieg und selbst der Krieg, Konflikt oder was auch immer in der Ukraine los ist, ist mir fast entfallen. Und was passiert im Nahen Osten? Seitdem ich das erste mal darüber schrieb sind Waffen auf dem Weg in den Irak (oder sind sie eingetroffen?) und auch die PKK wird mal wieder zum Spielball. Die Türkei, in die ich im letzten Jahr große Hoffnungen gestzt hatte, ist in sich zusammengefallen und es droht wieder der altbekannte Bürgerkrieg Türken gegen Kurden. Unterstützt von der NATO, die nicht mal den Versuch macht das Mitgliedland Türkei dazu zu bewegen die Kurden vor der IS zu retten. Und längst hat sich der Limes verlegt. Wurde unsere Freiheit ehemals am Hindukusch verteidigt, sehen Teile der Linken die Kurden als Kämpfer unserer Sache.

„Auf die Wünsche der Kurden macht auch Ulla Jelpke, Innenpolitische Sprecherin, aufmerksam, die sich mehrfach in den Kurdengebieten in Syrien und Nordirak aufgehalten hat. Die Kurden, darauf weisen beide Politiker hin, forderten gar keine Unterstützung durch Bodentruppen, sondern panzerbrechende Waffen und die Öffnung der nahen türkischen Grenze für Flüchtlinge wie für kurdische Unterstützer aus den beiden anderen kurdischen Kantonen der Region Rojava sowie aus Nordirak.“

Dagegen fragt die NRW LINKEN Vorsitzende Demirel auf facebook  zurecht, an wen man politisch appellieren möchte. Doch so richtig die Frage ist, so hilflos wirkt die Antwort.

„An wen appellieren die 14 eigentlich? Die UNO hat die ganze Zeit nur zugeschaut, die USA bomben doch schon, aber eben ganz woanders als in Kobani und Deutschland liefert Waffen an Saudi-Arabien, das den Islamischen Staat unterstützt, und die Türkei ist selbst ein Teil des Problems. Ich wünsche mir, dass die Genossen aufhören, solche innerparteilichen Debatten anzustoßen und stattdessen auf die Straße gehen und die Solidaritätskundgebungen für den vorbildlichen Widerstand der Kurden unterstützen. Es geht jetzt um internaionale Solidarität von unten!“

„Deshalb sind wir als DIE LINKE., linke Demokraten, Sozialisten, Kommunisten, Friedensbewegte, Kriegsgegner, Antiimperialisten, Antifaschisten und Humanisten alle hier in der Pflicht, Solidarität mit den Kurden in Rojava und der Türkei deutlich zu zeigen. Weil sie dort auch für unsere Sache stehen, und sterben. Es ist auch unser Kampf, der dort geführt wird.“ So ruft die Siegener LINKE gemeinsam mit kurdischen Gruppen auf.

Habe ich nicht auch ähnlich geschrieben? Nun, da ging es darum, dass die Kurden den Linken am nähesten stehen, weshalb wirbewaffnen sollten. Ist die LINKE., die hier so freigiebig ihre Solidarität mit den Kurden zeigt, die gleiche, die ihnen die Waffen vorenthielt und für diese Position warb? Was gibt das, Händchenhalten bis in den Tot? Für wen sterben die KurdInnen, für die Nordrhein Westfalen, den SiegenerInnen oder vielleicht für ein freies Kudistan? Oh Schreck, das wäre nationalistisch und darf nicht sein, lieber sollen sie für uns sterben, ganz pazifistisch. Vielleicht darf ich an Gysis kleine Rede im Bundestag erinnern, in der er sinngemäß sagte, der einzige Schutz vor Diskriminierung für eine Nation sei der eigene Staat, weshalb die Roma leider keine Chance hätten der Diskriminierung zu entkommen.

Die Normalität neben dem Krieg ist der Todesstoß für alle Beteiligte. Wenn der Krieg zu einem Medienevent wird, das Aufmerksamkeitsphasen im Sinne Medien erhält und genauso vergessen wird (wie ich es momentan tue), wird Krieg zur Normalität und Banalität, wie der alltägliche Krimi, dessen Tote uns näher sind, als die Existierenden toten KurdInnen.

 

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