Räume und Räumlichkeiten

Veröffentlicht: 27. September 2014 in Gesellschaft, Kultur
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k.c.-mckanzie-Diese Woche war anstrengend, tagsüber Englisch auf den Ohren und abends Lektüre über den Ausnahmezustand, wobei die Uhrzeit immer wieder einstellig wurde. Über Rainer Trampert, Rathauskunst und McKanzie.

Zunächst die gute Nachricht, die Erwachsenenbildung auch im virtuellen Klassenzimmer verhilft dem Infantilen immer wieder zum Durchbruch. Die Chattfunktion wird zum Dauerrauschen in den hinterern vituellen Sitzreihen. Neu ist, dass die Kompetenz des Zehnfingertippsystems zum größten geschriebenen Lärm führt. Vielleicht ist dies für den einen oder anderen auch ein Anreitz sein drei Fingersystem auf die auf die anderen sieben auszuweiten. Der Aufenthalt in den verschiedenen Räumen, virtuelles Klassenzimmer und Computersaal, führt bei mir immer noch zur Verwirrung. So haben wir das Angebot eines virtuellen Bewerbungs-Cochings bekommen. Mit dem Hinweis, diese fände in einem anderen Raum statt, der genauso aussieht wie ihr Klassenzimmer. Ich war echt confussed. Bis mir klar wurde, dass damit gleiches Computerprogramm und gleiche Anwendungen gemeint war. Ansonsten findet zurzeit im meinem Kopf eine Zeitreise statt, denn so spannende und verschüttete Vokalen, wie ballpen feiern ihre Auferstehung, es fehlen nur noch Mr. Clark, Mrs Clark, Betty and Peter. I have forgotten the name of their lovely stupid dog I am afraid.

Aber nein, heute gehts mehr um Karin, the personal assistant of Ms Balcke. Karin is responsible for the diary mamangement and the general administration. Und der Radiergummie liegt nicht neben dem Comic sondern neben der Aktenablage, ich mach schließlich Wirtschaftsenglisch. Schließlich habe ich versucht mich in den Pausen, in denen ich nicht dran bin, dem Ausnahmezustand weiter zu nähern und zu lesen, aber das führte dann zur totalen Erschöpfung. Also musste dies dann wieder bis nine o’clock in the evening warten.

„Europa zwischen Weltmacht und Zerfall“

Am Mittwoch dann war ich pflichtbewußt beim Vortrag von Rainer Trampert: „Europa zwischen Weltmacht und Zerfall“. Da ich mir ja auch manchmal meine Gedanken zum Thema Europa mache, war ich sehr gespannt, zumal der Autor bereits häufiger im VEB zu Gast war und mir wärmstens empfohlen wurde. Der Vortrag hatte seinen Reiz und das Buch steht von nun an ganz unten auf meiner Wunschliste zu Weihnachten. Aber immerhin als erstes. Der Vortrag war sehr kruzweilig, weil Trampert zu unterhalten weiß und auch ein paar überraschende Ansichten und Perspektiven einnahm. Allerdings habe ich das allermeiste des Vortrags leider schon wieder vergessen. Zum Titel wurde am wenigsten gesagt, bzw. immer nur indirekt. Die Fragerunde war dagegen sehr entspannend, da die Leitfrage schon etwas älter ist: und wie kommen wir jetzt zum Sozialismus? Nachdem Trampert diese Frage, obwohl sie mehrmals in unterschiedlicher Aufmachung gestellt wurde, nicht beantworten konnte, entschloss ich mich zu gehen. Die Frage nicht zu beantworten, kann ich schließlich selbst.

 

Kunst und Musik im Rathaus

Gestern Abend gings dann ins Freudenberger Rathaus zu einer Vernissage mit anschließendem Bandauftritt. Ich habe ja ne ganze Zeit auf dem Land gelebet, und da isset halt so, dass es neben der Turnhalle, der Schule und dem Rathaus kaum öffentliche Veranstaltungsorte gibt. Immerhin besser als die Sparkasse oder das private Krankenhaus, alles Orte von denen ich über Ausstellungseröffnungen berichtet habe. Ich habe dann immer gedacht, es sind Möglichkeitsräume, sonst käme wohl nie eine Ausstellung etc. aufs Land. Mittlerweile bin ich mir darüber aber nicht mehr ganz im Klaren. Es bleibt sicherlich richtig, dass solche öffentliche Veranstaltungsräume einen Beitrag dazu liefern, dass etwas passiert, aber vielleicht sollte man die Lokalität nicht ganz außer acht lassen. Im Rathaus Waldbröl, das einmal im Jahr „Kunst im Rathaus“ auf- und aushängt, habe ich mir die Frage nicht gestellt, gestern konnte ich sie den ganzen Abend aber nicht ignorrieren. Wird Kunst und Kultur in offiziellen Räumen zur offiziellen Kunst?

Die Ausstellung, die eröffnet wurde, hieß „Das rote Sofa‘ Fotografien von Christian Janusch“. Janusch hat so wie man es bereits kennt, Menschen besucht auf die Couch gesetzt, fotografiert und interviewt. „An Menschen, die etwas zu sagen haben, mangelt es auch in Südwestfalen nicht. Also kaufte sich Christian Janusch ein rotes Sofa, das er über Monate immer mal wieder ins Auto packte, um Menschen aus dem Sieger- und Sauerland zu bitten, darauf Platz zu nehmen.“ Die Auswahl der Bilder wurden aus einem größeren Fundus getroffen, die Interviews waren leider nicht Teil der Ausstellung. Das Auswahlverfahren für die Bilder wurde nicht offenbart, aber neben einem Gärtner, einem Hirten, mit dem für die Ausstellung geworben wurde, und wenige anderen, hatte ich das Gefühl, dass die Sieger- und Sauerländer HonoratorInnen auf der Couch gelandet ware: der Unirektor, die Bundesverdienst-ordenträgerin, das Ratsmitglied, die Gründerin der lokalen Kulturinitiative etc. Kann man das anders machen? Wahrscheinlich? Im Rathaus? mh. Vielleicht? Möglicherweise hat der Ausstellungsort die Auswahl beeinflusst. Oder hat das Rathaus die Auswahl der abgebildeten sympathisch gefunden? Auch das kann ich nicht beantworten, die Frage dagegen blieb im Kopf, selbst als ich der Musik von K.C. McKanzie und Budi lauschte.

K.C. McKanzie und Budi

photo credit: Martin Terber via photopin cc

photo credit: Martin Terber via photopin cc

Nachdem ich diese Gedanken im Kopf hatte, hörten sich auch die ersten Lieder der beiden Musiker für mich erstmal zu eingängig an und ich hatte schon fast vor wieder in meine Karre zu steigen und zu fahren, entschloss mich stattdessen jedoch eine Kippe zu rauchen. Entschleunigung. Wieder im Rathaus gab ich den beiden eine zweite Chance und inzwischen hatte sich die Musik etwas geändert. Mir war schon vorher klar geworden, dass die beiden ihr Intrumente spielen können und auch McKanzies Gesang war indiemäßig differenziert eingesetzt. Nach meiner persönlichen und der offiziellen Pause (warum auch immer, ein Bandkonzert ist ja keine Oper, in der man Zeit für Smal talk und Schnittchen braucht) wurden immer mehr musikalische Facetten des Duos deutlich. Ob es das Publikum war oder das Rathaus, dessentwegen sie Sängerin die meiste Zeit die Augen geschlossen hielt, hab ich sie nicht gefragt. Aber in ihren wenigen Redebeiträgen distanzierte sie sich immer wieder mal von der Situation und vom Publiukum. Sind eigentlich auch Menschen da, die nicht fotografiert wurden?, fragte sie etwa sinngemäß, was schon von Größe zeugt. Versöhnt gings zurück nach Siegen.

Fazit: Die verschiedenen Räume, egal ob virtuell oder repräsentativ, spielen eine Rolle (für die Kunst), die man auch beachten sollte, aber dieses komische Wesen Mensch verhält sich immer anders als man denkt. Weder ist es ganz aufgeräumt, noch kann man es ausräumen, immerhin.

PS: Ausstellungen aus dem Rathaus zu verbannen, hieße aber auch sich den Spaß bei den Reden der Bürgermeister über Kunst zu ersparen und das wäre für jeden Fan der Realsatire ein Verlust.

 

 

 

 

 

 

 

 

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