Rethink: Der Krieg im Nordirak

Veröffentlicht: 16. August 2014 in Politik
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Ich habe heute morgen in den Blogs gestöbert und das Thema IS (Islamischer Staat) und die Kämpfe der Kurden war ein Thema. Dabei fiel mir auf, dass alle Reflexe aufeinander prallen: Pro-Kontra Islam, P-K Kurdistan, P-K Intervention und nicht zuletzt das beliebte Nabelschauthema Deutschland und die Welt. Und bei soviel Kuddelmuddel muss ich meinen Senf noch dazugeben, verständlich, oder? Also mit Anlauf aus dem Fenster gelehnt! Der erste Schritt, der sich anbietet, ist ja, zu schauen, was tatsächlich vor sich geht und wer, wie beteiligt ist und welche Debatte tatsächlich Sinn ergibt und welche nicht. Dabei ergibt sich etwa für die Pro-Kontra Islam Debatte folgendes Bild:

Wir haben in Syrien ein Land, in dem es sowohl Sunniten, als auch Schiiten leben, ebenso, wie im Irak. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass „die Mehrheit der Bevölkerung“ im autonomen Kurdengebiet Iraks, laut Wikipedia, „sunnitische Muslime“ [sind]. Daneben gibt es Minderheiten, die größtenteils von Juden, Christen und Aleviten vertreten werden. Diese Minderheiten können ihre Religion frei ausleben, was im restlichen Irak überwiegend nicht der Fall ist. Zahlreiche Anschläge auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen außerhalb des Kurdengebiets sorgten für eine Flucht der christlichen Minderheiten in die autonome Region.“

Auf beiden Seiten des Konflikts kämpfen also sunnitische Muslime. Während die IS-Kämpfer allerdings eine fundamentalistische Einstellung hegen und verbreiten, pflegen die KurdInnen einen liberaleren Islam. Unabhängig von der persönlichen Einstellung geht es den KurdInnen in der Mehrheit aber wohl auch um die Autonomie, die bislang nur die irakischen KurdInnen erreicht haben. Eine gute Portion Nationalismus ist auf Seiten der KurdInnen also auch mit dabei. Wie dem auch sei, wer sich für die progessivere Seite entscheiden möchte, kann nur auf Seiten der eher tolleranten KurdInnen sein.

Eine andere und wichtige Sache ist, dass die angesprochenen religiösen und ethnischen Minderheiten, die zum Teil seit zig-hundert Jahren auf dem Gebiet der heutigen Staaen Irak und Syrien siedeln, bedroht sind. Die dauerhafte Aufnahme in Europa (was höchsten den Christen angeboten werden würde) kann dabei keine Lösung sein, denn es wäre nicht nur ein kultureller Verlust für den nahen Osten, sondern auch eine vertane Chance für die Völker, wenn sie die Gelgenheit verpassen würden, die Staaten der Region in das zu verwandeln, was sie fast alle sind: Vielvölkerstaaten mit unterschiedlich großen Minderheiten. Eine Aufnahme von Flüchlinge muss aber bald erfolgen.

Kurdistan

Bekanntlich erstreckt sich das Gebiet auf dem KurdInnen leben auf  Teile der Territorien von vier Staaten: Iran, Irak, Syrien und Türkei. In jedem dieser vier Staaten haben die Kurden in der Vergangenheit Unterdrückung erlebt. Zum Teil haben sich die KurdInnen in den Kriegen zwischen den Staaten (Irak-Iran) vom jeweils anderen Staat instrumentalisieren lassen und bekämpften sich gegenseitig. Wenn jetzt von einer Allianz der verschiedenen Kurden-Gruppen die Rede ist, kann nur spekuliert werden, ob dies ein Bund ist, der eine Friedenszeit überdauern würde. Neben den beiden geschwächten Staaten Syrien und Irak werden auch der Iran und die Türkei ein Wörtchen mitreden, wenn den KurdInnen als Lohn für ihrem aktuellen Kampf ein Staat versprochen werden sollte. Auch autonome Gebiete wie im Irak werden nicht automatisch von diesen Staaten unterstützt werden, auch wenn dies der gangbarste und beste Weg wäre. Wer wird die KurdInnen unterstützen, wenn es darum geht, die Landkarte zu verändern?
Auch wenn zurzeit wieder ein Trend in der Weltpolitik zu sein scheint, Grenzen zu verändern und schwache Kleinststaaten auf die Weltbühne zu hiefen, ist eine Grenzziehung die sich der „Westen“ überlegt nur ein weiterer Grund für neue Konflikte und doch werden die KurdInnen am Ende des Konflikts zurecht einen Preis fordern.

Intervention

Wie aus dem bisherigen Text klar wurde, habe ich die Ebene der Staaten weitgehend weggelassen. Der Kiezneurotiker sieht eine Koalition bestehende aus der gesamten Welt gegen die IS aufstehen: „Die USA, die Türkei, Israel, den Iran – eine seltsame, aber durchaus potente Koalition, zu der es offenbar diesen gemeinsamen Gegner gebraucht hat.“ Wohl wahr. Die letzten drei haben sicherlich ein vitales Interesse sich in diesen Konflikt zu stürzen. Eine Bewegung die trotz ihres Namens kein Staat ist, wäre als dauerhaftes Gebilde eine permanente Bedrohung. Hinzu kommt, dass die Kräfte, die sich gerade der IS entgegenstellen, maginalisiert würden und sich in den wenig erfreulichen Rahmen der Staaten wiederfänden, die nach innen selbst nicht ziemperlich sind, wenn es um eine Oposition geht.

Die Staaten des nahen Ostens sollten sich ruhig verhalten und der Westen die Kurden unterstützen – durch  Waffenlieferungen und Hilfe, wo dies notwendig ist (in diesem Kontext sehe ich die Luftangriffe der USA), besiegen sollten die liberalen Muslime die Fundamentalisten aber selber. Wenn sie es aus eigener Kraft schafften, dann kann dies eine Quelle des Selbstbewußtsein werden, die im nahen Osten Nachahmer finden könnte. Doch ein eingesetztes Regime wie in Afghanistan oder die faktisch handlungsunfähige Regierung in Bagdad findet offenbar vor Ort weniger Freunde als im Westen.

 “ ‚Eigentlich bin ich strikt gegen deutsche Waffenexporte. Da aber Deutschland ein wichtiges Waffenexportland ist, könnte in diesem Ausnahmefall ein Waffenexport dorthin dann statthaft sein, wenn andere Länder dazu nicht unverzüglich in der Lage sind.‘ Der Linken-Politiker begründete dies mit den Worten: ‚In dieser Notsituation ist das erforderlich, um größeres Unheil zu verhindern.‘ “ Zitiert der ND Gysi

und das sehe ich auch so. Es geht also um eine eindeutige Unterstützung gegen die IS ohne selbst als Sieger dazustehen. Ein Sieg der IS ist nicht hinnehmbar, doch auch ein Sieg der Anti-IS wird nicht alle Forderungen der Exil-Iraner,-Iraker und Syrer erfüllen und das ist auch nicht notwendig. Die Menschen vor Ort wissen, um was es geht und wie sie leben wollen, gut gemeinte Ratschläge aus den europäischen Ländern in Richtung Irak sind eine unbrauchbare Währung.

Meiner Meinung nach geht es darum, progessive und humane Politik zu unterstützen und in diesem Fall scheint das Handeln der Anti-IS-Koalition keine Zweifel aufkommen zu lassen. Ich finde eine pazifistische Position durchaus nicht negativ, doch gehört es m.M. zum linken Denken dazu, dass ausgehend von den Gegebenheiten gedacht werden muss.

 

 

 

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Kommentare
  1. besserwisser sagt:

    Ich bin für jedwede Unterstützung der Kurden aber Waffenlieferungen Deutschlands lehne ich ab.. Das werden schon andere Staaten gerne übernehmen. Staaten,die verantwortlich sind für die heutigen Zustände in der Region.

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