Gähn: Carta über biedere Satire im TV

Veröffentlicht: 3. Juli 2014 in Gesellschaft, Kultur
Schlagwörter:, , , , ,

Kulturpessimismus auf Carta? Wie soll Kritik aussehen? Politisierend, visionär und sozialphilosophisch! US-amerikanisch und nicht wie die heute-show. Gehts bitte ein wenig genauer?

„Nur, weil die Zustände in Deutschland andere sind, heißt das nicht, dass kein Bedarf besteht an einer Sendung, die über das populistische Ho-ho und die zynische Beliebigkeit bestehender Comedy-Formate einerseits und die vorhersehbare Brachialpädagogik des Kabaretts andererseits hinausgeht; eine Sendung, für die Politik mehr ist als das ritualisierte FDP-Bashing der heute-show oder das ‚Die da oben sind doof und machen sich die Taschen voll‘, das Schmidt dem Kabarett vorwirft.“

Was heißt „das populistische Ho-ho und die zynische Beliebigkeit bestehender Comedy-Formate einerseits und die vorhersehbare Brachialpädagogik des Kabaretts“? Kommen da etwa kulturpessimistische Töne auf? Sicher: Etwas bieder ist es schon, wenn die Höhepunkte einer heute-show Sendung ein kollerischer Kommentator und anarschistische Mainzelmännchen sind. Die  Höhen der Politikkritik wird nicht erklommen und Parodien an sich sind eben nun eine Möglichkeit zur Kritik und nicht zwangsläufig progressiv. Aber genauso wie man sich die Medien- und TV-Landschaft in der die Sendung angesiedelt ist, ansehen muss, sollte man auch einen Blick in die heimischen Wohnzimmer werfen.

„Das sei ‚volkstümliche Unterhaltung‘ in dem Sinne, dass es vor allem um die ‚Bestätigung von vorgefertigten Meinungen‘ gehe„, sagte Harald Schmidt dem Medienmagazin DWDL.de. Stimmt. Die  heute-show sucht den Grad zwischen Konsens und Kritik und verfällt auf das Populäre. Was anderes wäre sicherlich angebrachter. Zugleich ist dies auch eine Reaktion, auf eine Politik, die ihre Bürger ausblendet, sei es beim Thema Snowden oder bei der Findung des EU-Kommissionspräsidenten, bei der das Ergebnis der Wahlen nur nach Druck mit dem Ergebnis der Beratung der Regierungschefs und Mutti übereingestimmt hat. Man kann einer Bevölkerung die politische Haltung auch abtrainieren.

„Der Erfolg ist für ihn die Konsequenz der grassierenden Politikerverachtung“ und zugleich eine Verstärkung, äußert der Rechtsphilosoph Uwe Volkmann gegenüber der taz. Warum der Rechstphilosoph, wie die taz ihn betitelt, nun Experte für Humor oder Politikverdrossenheit ist, weiß der Kuckuck. Der taz-Text gibt darüber genauso wenig Auskunft, wie der Carta-Text, der auf ihn verlinkt. Die Henne und das Ei. Eine Sendung, die zu ihrer Zeit passt. Eigentlich müssten Hintergründe beleuchtet und mehr erklärt werden, oder ist dies wieder Brachialpädagogik? Nee, auf US-Weise, lautet die Antwort von , so wie das Orginal.

„Doch obwohl es Anlässe genug dafür gibt, verfällt Stewart nicht in Zynismus. Immer wieder scheint in seinen Moderationen auch das Bild eines anderen, eines besseren Amerikas auf. In solchen Momenten wirkt er wie eine Mischung aus Sozialphilosoph und Aktivist, der sich das Medium der Satire für seine Anliegen zunutze macht.“

Ich bekenne: Ich weiß, was ich besser finde als unsere heutige Gesellschaft, weiß mich damit aber auch in der Minderheit. Wir haben Friedensdemos, deren politische Haltung aus lauter individuelle Meinungen zu bestehen scheinen  und lauten sie auch, ich möchte eine „Wirtschaft, die wie der Wald funktioniert“ (vgl. http://www.youtube.com/watch?v=pHMqTq5v4Og, Minute 1:22:08 ff.). Nachdem die Parteien (und Medien)  ihre Bindungskraft verloren haben, scheint auch das politische Denken sich in der Pluralität zu „atomisieren“ (Mannheim). Eine gemeinsame Vision von Politik scheint in der GroKo wie in der Bevölkerung derzeit nicht in Sicht, wenn auch ein „weiter so“ genauso wenig Chancen hat. Dies hat aber auch mit der Zielsetzung der Sendung zu tun. „Vor allem aber, darauf legen sie in der Schanzenstraße großen Wert, ist die heute-show in erster Linie Unterhaltung. Erst kommt der Gag, dann die Haltung. “ Dies ist bedauerlich. Dass aber eine Haltung da ist, wird deutlich, wenn auch nicht bildungssprachlich.

„Während die klassischen Medien sich in dieser Woche mit der Interpretation des Armutsberichts beschäftigen und die Argumente wälzen, wird in der heute-show am Ende der Woche Gernot Hassknecht seine Conclusio herausbrüllen: ‚An diesem Bericht ist mehr herumgepfuscht worden als an Dolly Busters Möpsen.‘ “ Jeder weiß was gemeint ist und damit ist die Mission erfüllt. „Im Prinzip liegt er damit auf der Linie vieler seriöser Kommentatoren“ heißt es direkt anschließend auf Zeit-Online. Und jetzt stellt sich eine spannende Frage: Was ist für eine Show, die wahlweise als Comedy oder Nachrichtensatire bezeichnet wird schwerwiegender, dass sie zu dem gleichen Ergebnis kommt wie die Tageszeitung oder dass sie einer Fäkalsprache bedient?

Einen „Sozialphilosoph[en] und Aktivist[en] in den ÖR, das liefe auf eine Medienrevolution und auf ein Spartenprogramm hinaus. Vielleicht würde dies wachrüttelnd wirken, wahrscheinlicher aber ist, dass das Programm abgesetzt würde. Oder auch nicht? Die Anstalt etwa, obwohl sie das „Neue“ verloren hat, ist deutlich radikaler. „Was ihn letztlich antreibt, ist eine aufklärerisch-emanzipatorische Haltung, ein im Grunde tiefer Humanismus, den er mit Wut und Verve vertritt“ so Novy über Stewart. Mir fällt, wiesaussieht, dazu nur Georg Schramm ein, ein Brachialpädagoge, aber das will Leonard Novy auch nicht :->

Aktualisiert um 15:11 Uhr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s