Lesegewohnheiten

Veröffentlicht: 23. Juni 2014 in Kultur, Literatur, Politik
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Die Welt zwischen zwei Buchdeckeln ist ein Sucht, zugeben, aber sicher eine der schönsten.Wann ist ein Buch gut? Keine Ahnung, da gibt es sicherlich unterschiedliche Kriterien und die WRIndieanerinnen sind kompetenter dies zu beurteilen. Für mich ist es ein gutes Buch, wenn es mir die Welt eröffnet, nicht nur diees zwischenden beiden Deckeln, sondern die, an der ich Teilhabe. Wenn es für mich zu einem papiernen Link zu anderen Gedanken und Büchern wird, wenn ich es zigmal aus den Händen lege und dafür andere zur Hand nehme, weil ich assoziativ denke, Gedanken verfolge und zuletzt kreatives Chaos herrscht, dann hat ein Buch eine besondere Qualität. Und wenn es sich herausstellt, dass ein oder mehrere Bücher immer wieder in diesem Prozess auftauchen, werden sie zu meinen persönlichen Klassikern.

Zugeben, ich spreche jetzt nicht vom Roman, ich  bin eher der Sachbuchleser. Aber ich persönlich finde ja auch, der Unterschied wird zu hoch gehängt. Wissenschaftliche Arbeiten unterscheiden sich natürlich untereinander enorm. Sammelbände sind Nachschlagewerke, aber wenn es ein Autores schafft, aus sich zu schöpfen und die Literaturangaben und Quellen nicht mehr Krückstock sondern kaum merkliche Bestandteile des eigenen Denkens werden und er erzählen kann, wird ein Sachbuch zum Vergnügen.

Zuletzt ging es mir bei dem leider verstorbenen Eric Hobsbawm und seinem „Wie man die Welt verändert“ so. Das Buch ist nicht neu. Es ist das letzte von ihm 2012 erschienene Buch. Eine Sammlung von unterschiedlich langen Aufsätzen über die Rezeption von Marx in der Linken und die Linke. Was sich dröge anhört, wird spannend, wenn man, wie er, die Zweifel und die unterschiedlichen Strömungen mitbetrachtet. Der spanische Bürgerkrieg, den er aus unterschiedlicher Sicht beschreibt, die Konsequenzen, die sich für unterschiedliche Gruppen und Intellektuelle ergaben und die Einordung in den Kampf gegen den Faschismus bis 45, alleine dies machen das Buch lesenswert.

Im Studium habe  ich mich ne Zeit lang mit George Orwell beschäftigt, für den sein Kampf in Spanien mit zu seinen prägensten Phasen gehörte. 1936, nachdem er Bergbaustädte besucht und eine eingehende Sozialreportage (Der Weg nach Wigan Pier) geschrieben hatte, („In den nächsten paar Jahren werden wir entweder die wirkungsvolle sozialistische Partei, die wir brauchen, bekommen, oder wir werden sie nicht bekommen. Wenn wir sie nicht bekommen, kommt der Faschismus“), brach er nach Spanien auf.
J.R. Hammond schrieb über die Auswirkungen auf Orwell:

„Die Erfahrungen, mit denen er aus Spanien zurückgekehrt war und die unmittelbar an seine Erfahrungen mit Armut und Arbeitslosigkeit anknüpften, ließen aus einem intellektuell vermittelten, noch unklaren sozialistischen Standpunkt eine feste Überzeugung entstehen, der er sich auch emotional verpflichtet fühlte; sie machten aus einer ökonomischen Theorie eine Haltung und eine Lebensweise.“
(Hammond, J.R.: George Orwells Werdegang, in: Über Orge Orwell, Diogenes, 1984, S. 33).

All das kommt von einem spannend erzählten Sachbuch, dass ein Quell der Ideen auslösen kann. Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit Gramsci und stellt dessen Wichtigkeit heraus. Und nun ist meine nächste Lektüre tatsächlich dessen „Literatur und Kultur“, womit sich langsam auch wieder der Kreis zu meinem Internet/Bloggerthema schließt. Missing Link? Kommt noch.

Ist es nicht schön, was so ein Buch auslösen kann? Ebenfalls empfehlenswert ist übrigens auch das erste Buch, das ich von Hobsbawn gelesen habe und an dem mich vor allem der Titel angezogen hat: Ungewöhnliche Menschen. Über Widerstand, Rebellion und Jazz, Hanser, 1998.

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