Es gab eine Zeit, da war Kriegsspielzeug geächtet

Veröffentlicht: 18. Juni 2014 in Gesellschaft, Politik
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Aber auch diese Überzeugung scheint im Zuge politischer Mobilisierung verloren zu gehen. Was bleibt?

photo credit: svenwerk via photopin cc

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Auf facebook gibt es einen Aufruf, der sich: „Ein Spielzeugpanzer für Bundespräsident Gauck“ nennt und der wie folgt lautet:

Wir starten eine Orientierungsaktion für Herrn Gauck. Wir rufen dazu auf, Spielzeugpanzer an den Zaun vom Schloss Bellevue zu hängen, damit der vermutlich verwirrte Bundespräsident die Möglichkeit hat, seine frühkindlichen Erinnerungen auszuleben, um sich wieder zu orientieren.“

Was soll hier passieren: In einer Aktion soll der „verwirrte“ Gauck, der in sich wiederholt dafür ausgesprochen hat, dass sich die Bundesrepublik militärisch stärker engagieren soll, mithilfe von Kriegsspielzeug quasi freudianisch dazu gebracht werden, „sich wieder zu orientieren.“

Bei Spielzeugpanzer fällt mir immer ein, dass mein sehr viel älterer Cousin, mit mir (5-6 Jahre alt) und seinem noch jüngerem Bruder aus Streichhölzer, Streichholzschachteln und anderem Zeug Panzer gebastelt hat. Dies war quasi die Aufrüstung im Kinderzimmer zu Beginn des Irak-Iran Krieges. In dieser Zeit und auch später konnten Waffen mich nicht wirklich faszinieren, ich erinnere mich aber, dass mein jüngerer Cousin immer mit einem täuschend echten Gewehr herumlief, ich eine Nachbildung einer Pistole besaß und und mein älterer Cousin mit einem schrafen Luftgewehr im Garten vor dem Haus in der Großstadt Tehran auf ein Ziel schoß.

Bei mir könnte man sagen, hat es nicht geschadet hat und doch war es der Einzug der Kriegsideologie in die  Kinderwelt. So wie man es in Spielfilmen über das Kaiserreich vor dem ersten Weltkrieg sieht, in denen kleine Jungs in Matrosenuniform deutsche Großmachtfantasien nachgehen.  Genau deswegen gab es mal eine Zeit, als es Bestrebungen gab, Kriegsspielzeug für kleine und große Jungs zu verdammen. Dass nun ein Aufruf, der sich als Ziel gesetzt hat, Gauck auf einen Anti-Kriegskurs zu bringen, dazu aufruft Kinderkriegsgerät (zuerst zu kaufen?) an den Zaun am Sitz des Präsi zu hängen, will mir nicht in den Kopf.

Wir wollen ihm mit den Spielzeugpanzern die Möglichkeit geben, sich ordentlich auszuspielen, um danach wieder orientiert den Willen der Bürger nach Frieden und ohne Kriegsgebaren ordentlich und seiner Position angemessen zu vertreten“, heißt es  und mit Hinweis auf ein Vorgehen  in der Altenhilfe erklärt. “ In der Altenhilfe wird mit Symbole der frühen Kindheit gearbeitet, damit der Mensch sich wieder orientieren kann.“ Dazu kann ich nur sagen, dass mich dies wieder daran erinnert, warum Pädagogik nie Politik bestimmen sollte.

Ich hoffe, kein einziger Spielzeughersteller von Waffenmodellen verkauft nur ein Spielzeug mehr wegen dieses Schwachsinns. Auch wenn ich Gauck keinen Spinner nennen darf , die Person, die über facebook zu dieser Aktion einlädt, halte ich für ebenfalls nicht koscher. Irgendwie erinnert mich dies an diese vermaledeiten Rechts-links-Mahnwachen und daran, dass die US-amerikanische Lösung bezüglich Schusswaffen nicht besonders erfolgreich ist.

 

 

 

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Kommentare
  1. besserwisser sagt:

    Ich bin entsetzt darüber, dass ich bisher keinen kritischen Kommentar zu diesen wiederholten Aussagen Gaucks in unserer Tageszeitung gelesen habe. Wie sieht es in der bundesweiten Presse aus?

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