Das Nestfeeling des Großkonzerns

Veröffentlicht: 22. Mai 2014 in Popkultur
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Es ist immer gemein, sich eine Werbung oder einen Konzern für die Kritik herauszupicken. Es könnte auch ein anderer sein und kaum einer ist besser als der andere. Nur drängen sich manche quasi auf.

Zur Zeit läuft im Fernsehn eine Nestle-Werbung, die so offensichtlich gegen das eigene Image gerichtet ist, dass man fast Mitgefühl entwickeln würde, hätte man nicht das Gefühl, dass der Nahrungsmittelhersteller offenbar nicht mit seinen eigenen Fehlern umgehen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=PSetD0dARRQ

Zunächst einmal beginnt der Spot, der sich später als Werbung für den Tiefkühlnahrungsmittelproduzenten Wagner entpuppt, mit einer Idee. „Der Apotheker Heinrich Nestle wollte was gegen die Kindersterblichkeit seiner Zeit tun und entwicklte eine Nahrung für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten.“ Nun will ich nicht in Abrede stellen, dass Heinrich Nestle tatsächlich gute Absichten hatte, zumal in einem anderen Spot des Konzerns weiter auf die Familiengeschichte eingegangen wird. Der Wagner Werbespot ist somit eine spezielle Auskopplung.

Doch die Werbung ist mir, sooft ich sie gesehen habe, direkt an diesem Punkt aufgestoßen. Während im Werbespot „Qualität nehmen wir persönlich“ die eigentümliche Spannung zwischen der kleinen Apotheke und dem Weltkonzern durch die „Qualität“ eigentümlich zusammengehalten wird, bleibt die Wagnerwerbung im Kleinen und ist damit unglaubwürdig. Schließlich kann man auf der Unternehmensseite lesen, dass es sich um „einer der größten Hersteller von Tiefkühlpizzen in Europa [handelt]. Wir haben mittlerweile allein in Deutschland einen nationalen Umsatz-Marktanteil von rund 33 Prozent erreicht.“ Ob man dies wohl per Hand noch schafft? Zugegeben, die Idee einer kleinen Backstube, in der eine Arbeitskraft meine TK-Pizza per Hand vorbereitet, verlockt vielleicht, doch alleine ein Blick  in die Kühltheken der Supermärkte, will nicht so Recht dazu passen. Lassen wir uns vielleicht trotzdem davon täuschen? Sind wir so leicht mit dem Hinweis auf Handwerk und der kleinen Küche zu blenden? Und wenn dem so ist, dass Handarbeit an kleinen urigen Arbeitsplätzen Qualität bedeutet, was heißt dies für die Massenproduktion am Fließband? Dem Pizzafließband.

Und das Bild des Menschenfreundes Heinrich Nestle stimmtso gar nicht mit dem Bild des Konzerns überein. Während Heinrich mit Babynahrung gegen den Hunger vorgehen wollte, so der Spot, macht der Konzern Nestle Geld mit dem Grundnahrungsmittel Wasser. Was hätte Heinrich wohl gesagt? Mehr Verantwortung für die Konzernpolitik und weniger falsche Kuscheloptik und vielleicht lass ich mich wieder ein wenig mehr einwickeln.

 

 

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