Kurzer unpolitischer Gedankenschnipsel zu Palästina-Israel

Veröffentlicht: 14. Mai 2014 in Uncategorized

Es ist schon ne ganze Weile her, das Jahrtausend war erst zwei Jahre alt, da arbeitete ich bei einem Friedensdienst im Innendienst. Dem Konzept alles durch gemeinsame Projekte der Konfliktparteien aus der Welt schaffen zu wollen, stand ich eher skeptisch gegenüber, aber es gab eine Hand voll Erlebnisse, die sind mir bis heute wertvoll im Gedächtnis, eines betraf Israel.Sirenenalarm. Ein Luftangriff droht. Es ist nicht der erste Alarm und er wird nicht der letzte sein. Die Irakis greifen Teheran an. Alles stehen und liegen lassen und ab in den Keller. Angst. Der Keller ist ein normaler Raum in einem normalen Mehrfamilienhaus, der Bombenschutzfaktor dürfte gering gewesen sein. Ich war etwa fünf. Die Angst kam mit dem ersten Aufheulen der Sirene und verließ mich erst, wenn Entwarnung gegeben wurde. Wie? Weiß ich nicht mehr.

Ich hatte schon eine ganze Weile nicht mehr daran gedacht, ich hatte auch vergessen, wie der Alarm klang, da bezogen wir eine neue Wohnung. In Deutschland. Rund dreißig Jahre später. Plötzlich ging eine Sirene, Feueralarm. Für mich hörte sich die Sirene nach Luftangriff an. Dass ich in Sicherheit war, niemand Deutschland angriff, spielte keine Rolle. In meiner sicheren Wohnung kamen Theraner Gefühle hoch. Ich hasse Feueralarm.

Wir hatten gerade die Friedensfachkraft aus Palästina im Büro und weil ich zwar Texte über den ZivilenFriedensdienst schreiben sollte, aber keine Ahnung von der Arbeit vor Ort hatte, war ich neugierig auf Berichte und Gespräche mit der Fachkraft. Da ich manchmal grobes Werkzeug bei der Beurteilung von Politik benutze, war für mich die Schuldfrage von vorn herein klar. Was also konnten Menschen, die an einem solchen Projekt teilnahmen, Israelis und PalistinäserInnen dem jeweils anderen sagen, was teilten sie? Worüber reden?

Die genauen Worte weiß ich nicht mehr, die Antwort leuchtet mir jedoch ein: Es ist die Erfahrung des Kriegszustandes, es ist die Angst, die alle Menschen auf diesem kleinen Stückchen Land, um das es geht, teilen. Dabei ist die Angst der Israelis sicher genauso belastend, wie die der PalästinenserInnen und alle kennen diesen Zustand seit zig Jahren. Das macht das Gefühl bei Feueralarm aber nicht wett. Sie sind alle Opfer, egal ob sekulare, liberale oder orthodoxe Israelis oder Hamas- oder Fatahanhänger. Verletzungen unter der Haut sind wenig spektakulär, können aber genauso weh tun.

Nur kommen bei den PalästinenserInnen auch noch andere Faktoren dazu. „Angst fressen Seele auf.“ Deshalb ist der Frieden so wichtig, weil die Schäden des Krieges so langfristig sind und Menschen so kurz leben. Manchmal reduziert sich das Große und Ganze, wird menschlich und das vergesse ich, machmal. Liest sich wie schonmal geschrieben, aber nicht von mir.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s