BasteldireinLeben

Veröffentlicht: 16. April 2014 in Uncategorized

Ich führe ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen. Dieser Spruch ist bekannt, doch was schreibt man als Singel? Ich führe ein mal mehr, mal weniger bedeutendes kleines Selbstunternehmen?

Anschreiben und Lebenslauf, wie geht das nochmal. Eigentlich sollte ich es wissen, schließlich war es die letzte Reihe, die ich unterrichtet habe. Und der Lebenslauf ist auch eigentlich weniger das Problem. Eigentlich, denn spätestens beim Anschreiben tanzt der Lebenlauf. Mein Leben ist mein Konstrukt, nicht die Daten, sondern die Interpretation derselben, ich muss damit leben können. Als SchülerIn ist man da meist klar im Vorteil: Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schüle, Schulpraktikum, Verein, mit freundlichen Grüßen. Unterschrift nicht vergessen.  Aber selbst bei den Jugendlichen stellen sich schon Fragen: die Frage nach dem Aufenthaltsstatus stellt sich für die eine, welchen Namen nehme ich, fragt sich der andere?

Bei mir können Bewerbungen da schon mal zu einer Meditation ausarten. Willy Brandt soll mal gesagt haben: „Tradition ist schön und gut, Leute, aber erfindet euch neu und seid auf der Höhe der Zeit“. Um ehrlich zu sein, bezogen auf die SPD ist mir diese Aussage suspekt und auf mich bezogen? Es gilt zugunsten der knackigen Kürze, zu kitten, zu glätten, hervorzuheben und zu verstecken. Und mit der Reife kommen die Brüche hinzu. Krankheitszeiten genauso, wie die kleinen und großen Fehlentscheidungen, die sich in der Dauer einer Lebensstation genauso ausdrücken können, wie in fehlenden Abschlüssen. Und selbst gelungene Entscheidungen sind  in dem Format von Fehlern nicht zu unterscheiden, falls sie zu den gleichen Konsequenzen führten. Und was nicht schwarz auf weiß nachweisbar ist, ist ganz schwarz oder weiß nicht geschehen.

Jedes Anschreiben soll individuell sein. Ok. verstanden.  Im Zweifel muss ich mein Leben uminterpretieren, um auf der Höhe der Zeit zu sein, und ein passgenaues Anschreiben formulieren? Nicht zu mir passend, sondern es muss dem Arbeitgeber passen. Ach Willy! Identität 2.0. Was machen die armen Tierchen, die 50 oder mehr Anschreiben formulieren müssen? Nicht nur, dass sie für ihre Zukunft flexibel sein müssen, nein, auch ihre Vergangenheit wird zur Ressource dauernder Umorganisation. Blogger, Autor, der König der wartenden Reservearmee. Mit welchem Zeugnis bewerb ich mich?

Und dann die Kompetenzen. Ich weiß, dass ich welche habe, muss ich doch, oder? Also müssen sie rein! Sozialkompetenz, natürlich, organisatorische Fähigkeiten klar, doch halt. Fähigkeiten sind keine Kompetenzen, nur Fertigkeiten, oder? Eigentlich kann ich alles, nur wie schreib ich das? Mandarin, Zwanzigfingertippsystem, ein äußerst theoretischer Praktik(matik)er, ich bin die projektgelderwerbende Wollsektsau.

(c) kultgenosse

 

 

 

 

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