Christian wer? Ach ja! Schade.

Veröffentlicht: 2. März 2014 in Politik
Schlagwörter:, , , , , , ,

Was mir von ihm in Erinnerung geblieben ist das sinngemäße Zitat der Islam gehöre zu Deutschland. Er war beim Oktoberfest, hatte einen Freund der irgendwas mit Medien macht und ihn eingeladen hat und bei der Blödzeitung hat er auch angerufen. Sonst noch was?

Der Isalm gehört zu Deutschland! Diese Aussage genügt nun nicht wirklich um den „598-Tage-Präsidenten“, wie Stephan-Andreas Casdorff ihn  im Tagesspiegel nennt, zu beurteilen. Doch auffällig war schon, wie schnell sein Nachfolger sich davon wieder distanziert hat. „Auch in Bezug auf Religion, Kultur und die vielen anderen Bereiche, die unsere Identität bestimmen, gilt, dass das eine das andere nicht verdrängen muss. Wir leben hier zusammen, mit verschiedenen religiösen und kulturellen Wurzeln, und das verändert unsere Gesellschaft.“ Also keine Religion-Rangelei jetzt.

Politisch viel interessanter war ja der Rücktritt seines Vorgängers. „Auf dem Rückflug von einem Besuch in Afghanistan hatte das Staatsoberhaupt ein Hörfunk-Interview gegeben und darin gesagt, im Notfall sei auch >militärischer Einsatz notwendig (…), um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege<.“ Das war natürlich tollpatschig, Medien und Politik müssen wohl gedacht haben, er hätte ein Geheimnis ausgeplaudert. Doch während des zweiten Golfkriegs (zur Erinnerung, der Angriff auf Irak Anfang der 90er), vor der Zeit des Kampfes gegen den Terror, war das Motto der Protestierenden „Kein Blut für Öl“. Die KerzenhalterInnen und KreisschweigerInnen, zu denen ich auch gehörte, müssen Köhlers Geheimnisleck also schon irgendwie vorausgeahnt haben. Erhellender aber ist, was die Süddeutsche ein Jahr nach Köhlers Rücktritt und im gleichen Artikel schrieb. In den damals neuen verteidigungspolitischen Richtlinien seien ähnliche Gedanken enthalten und ein stärkeres internationales Engagement vorgesehen. „De Maizière wählte dabei ähnliche Worte wie Köhler, er sprach unter anderem von der Absicherung internationaler Handelswege.“ So ein Schelm.

Dem Internet sei Dank, lassen sich diese Richtlinien nachlesen und unter „Werte, Ziele und Interessen“ findet sich unter Punkt fünf der Sicherheitsinteressen:

„einen freien und ungehinderten Welthandel sowie den freien Zugang zur Hohen See und zu natürlichen Ressourcen zu ermöglichen

und wie geht das? „Sicherheit für unser Land zu gewährleisten, bedeutet heute insbesondere, Auswirkungen von Krisen und Konflikten auf Distanz zu halten und sich aktiv an deren Vorbeugung und Einhegung zu beteiligen.“ (Ebd.) Vorbeugen und Einhegen, wie schön!

Und unser jetztiger Bundespräsi? Der hat die Verquickung von Handel und Krieg umschifft: „Im außenpolitischen Vokabular reimt sich Freihandel auf Frieden und Warenaustausch auf Wohlstand“, hat er auf der Münchner Sicherheitkonferenz gesagt. Und weil Deutschland „überdurchschnittlich globalisiert“ ist und man vom der herrschenden Weltordnung profitiere, soll alles so bleiben wie es ist – „einer Weltordnung, die Deutschland erlaubt, Interessen mit grundlegenden Werten zu verbinden. Aus all dem leitet sich Deutschlands wichtigstes außenpolitisches Interesse im 21. Jahrhundert ab: dieses Ordnungsgefüge, dieses System zu erhalten und zukunftsfähig zu machen.“ (Ebd.) Hat er jetzt etwa doch Handel mit … ? Nein, nicht Handel und Krieg sondern Handel und Werte, das muss man doch noch verbinden dürfen. Aber: „Ergreift die Bundesrepublik genügend Initiative, um jenes Geflecht aus Normen, Freunden und Allianzen zukunftsfähig zu machen, das uns doch Frieden in Freiheit und Wohlstand in Demokratie gebracht hat?“ Nee.

„Es ist trügerisch sich vorzustellen, Deutschland sei geschützt vor den Verwerfungen unserer Zeit – wie eine Insel. Denn Deutschland ist so tief verwoben mit der Welt wie wenige andere Staaten. Somit profitiert Deutschland von der offenen Ordnung der Welt. Und es ist anfällig für Störungen im System. Eben deshalb können die Folgen des Unterlassens ebenso gravierend wie die Folgen des Eingreifens sein – manchmal sogar gravierender.“

Er spricht da von militärischem Eingreifen. Erinnert sich noch jemand an Bruder Rau? Der vor Köhler. Ihm hat man vorgeworfen zu sehr zu predigen, zu wenig deutlich die Probleme anzusprechen, und nun haben wir einen Pfarrer auf der Staatskanzel. Das Geflecht von Normen, Werten und Freunden verdeckt, dass er Köhlers Worte wiederholt hat, aber der war nur Politikwissenschaftler und nicht Theologe. Theologen dürfen weitermachen, schon seit Jahrhunderten. Und mit diesem Duktus hat Gauck alles wieder eingerenkt. Der Islam darf nicht verdrängen wollen und die Werte verkleistern die Interessen.

Dazu passt, dass der Tagesspiegel bzw. dessen Autor die ganze Zeit von Würde und  Ehre schreibt und damit Wulff und das Amt meint.

„Man kann sagen, dass der, der Würde auszustrahlen hat, zur Majestät begabt sein muss. Dass er sie in sich tragen muss. Auch dafür gibt es ja Beispiele, zumal im Präsidentenamt. Das war gut, für die erste wie gerade auch für die zweite deutsche demokratische Republik.“

Abgesehen davon, dass der Tagesspiegel-Journalist wahrscheinlich nicht die DDR meinte, ist der Verweis auf die Weimarer Republik, mit deren Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg auch nicht ganz glücklich. Ersterer war Präsident als („Bluthund“) Noske auf  Arbeiter schießen ließ. Und letzterer, General a.D. des ersten Weltkriegs, Staffelübergeber an Hitler. Aber Würde macht sich immer gut.

Christian Wulff und Horst Köhler waren mir  lieber als Pastor Gauck. Wir sollten uns abgewöhnen den Bundespräsidenten als harmlosen Geschichtenerzähler zu sehen, denn dieses Amt ist höchst ideologisch und mit einem neoliberalen Theologen an der Spitze doppelt.

Advertisements
Kommentare
  1. sunflower22a sagt:

    Der Militär-Mullah an der Staatsspitze wurde von den Grünen vorgeschlagen, und von der SPD. Das lässt tief blicken.
    Ich finde, dieses Amt ist rundweg überflüssig. Einsparen.

  2. […] erweitert oder vertieft. Mal habe ich stärker aktuelle politische Themen (Der Nahe Osten,  Gauck, Lanz, Montagsdemos, Kermani und noch einige mehr) schriftlich angedacht, andere Artikel gingen […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s