CARTA: Autorenblog oder „grundlegende Urkunde“

Veröffentlicht: 21. Februar 2014 in Uncategorized

Carta ist interessant und informativ. Nicht immer ungewöhnlich, nicht immer wirklich anders und alles andere als ein Bewegungsmedium. So what? Man sollte nur seinen eigenen Auftrag kennen.

Meine Verbindung zu Carta ist erst mal eine persönliche. Ich habe mit Vera Bunse am Rande eines Kongresses das gleiche Hotel bewohnt und nebenbei ein paar anregende Gespräche geführt. So bin ich als Leser zu dem Medium gekommen, von dem ich gedacht hatte, es sei offen, politisch breit und aus dem Netz fürs Netz.

Blog für „digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie.“

Seinem eigenen Anspruch nach befasst sich dieser Autorenblog „mit dem Strukturwandel der medialen Öffentlichkeiten, Medienökonomie, Medien- und Internetpolitik sowie allgemeinen Fragen des politischen Feuilletons.“ Dem dahinterstehenden Verein geht es um die „Darstellung unterschiedlicher Argumente und Positionen, Wahrnehmungen und Erfahrungen vor dem Hintergrund des digitalen Strukturwandels in Politik, Ökonomie und Medien“ (eig. Herv.) die Rede. So ganz deckungsgleich sind die Aussagen nicht.  Böse könnte man sagen, das einzig Gemeinsame dieser Aussagen ist alleine der feste Glaube an den Strukturwandel. Positiv kommentiert heißt dies: alle Themen sind möglich, skeptischer: so einen richtigen Begriff dafür, um was es geht, haben auch die Betreiber nicht. Wandelt sich die Öffentlichkeit, wandeln sich die Medien oder werden Politik und Ökonomie digital?

„Es fehlt nicht an Theorien des Internets, es fehlt eine Theorie des Internets im Kapitalismus. Erst dann gibt es einen realistischen Zugang, erst dann wird man die Technik, die Strukturen und die Beteiligten in einem anderen Licht sehen können.“ So lautete die radikale Antwort von Wolfgang Michal auf einen meiner Beiträge (Kommentar 11). Wenn Carta also der Zettelkasten für die Arbeit an einer solchen Theorie sein sollte, dann gälte es erst recht das Profil zu schärfen und es gäbe noch einiges zu tun, es sei denn, eine solche Großtheorie ist an mir vorbeigehuscht.

Die Autoren des Autorenblogs

Nun hat Michal am Dienstag einen provokanten Artikel geschrieben, der im Grunde ein Thema aufgreift, das er bereits in anderen Artikeln angerissen hat. Je mehr Blogs zu reinen Beobachtern der Medien und zu Kommentatoren der Kommentatoren werden, desto weniger unterscheiden sich Bolgs von Leserbriefe. Erst kürzlich ist ihm nachlesbar der Kragen geplatzt: „Leider gehen die Leute aus der Netzszene diesem Konzept voll auf den Leim. Bei Twitter laufen sie Abend für Abend zu Hochform auf. Mit beißendem Spott und fanclubartigem Jubel begleiten sie ihre „Spiel-Figuren“. Denn die Talkshow ist das Dschungelcamp für die Mittelschicht.“ Und forderte von uns Bloggern: „Macht euer eigenes Programm. Die Mittel dazu habt ihr ja.“ Für Carta als „Autoren-Plattform“ ist die Vielfalt und die Eigenständigkeit der Meinungen wichtig, entsprechend negativ wirkt sich eine Anlehnung der BlogautorInnen an den herkömmlichen Massenemedien auf Carta aus. Ohne die Ressourcenfrage zu stellen, geht es genau hierum, um unser eigenes Programm, für das Jürgen Fenn Vorschläge macht.

Eine andere Sache ist es, dass der Autorenblog, von dem es heißt, dass ganz viele AutorInnen für ihn schreiben, doch von einigen wenigen dominiert wird. So verdienstvoll dies ist, umso seltsamer mutet es an, wenn diese selbst zum Teil in jenen Dschungelcamps der Mittelschicht sitzen. Wenn Carta nicht zum Blog weniger werden soll, muss die AutorInnenbasis vergrößert werden. Dass eine Einfrauredaktion damit an Grenzen stößt, ist verständlich, aber dies ist zugleich eine Richtungsentscheidung.

Michal hat erneut das Arbeitsprogramm formuliert, alle hätten genug zu tun. Aber auch Carta muss Entscheidungen treffen, sonst wird Carta irgendwann zur Urkunde.

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Kommentare
  1. mister-ede sagt:

    Ich ordne Carta da ganz anders ein. Aus meiner Sicht ist die Plattform mehr ein schöner Mantel für manche Autoren.

    http://www.mister-ede.de/medien/carta-info-wolf-im-schafspelz/2052

    Bezeichnend finde ich auch, dass immer wieder Kommentatoren auf der Plattform für abweichende Meinungen oder Kritik regelrecht angefeindet werden. Das habe ich auch schon selbst zu spüren bekommen.

    • kultgenosse sagt:

      Hallo mister-ede, erst mal freu ich mich von einem weiteren Siegener Blogger zu lesen. Auch wenn ich die Kritik an bestimmten Artikeln, die du in denem Artikel als „oberflächliches Haudrauf“ einordnest, so noch nicht wahrgenommen habe, halte ich die Qualität eigentlich nicht für schlecht. Deine angeführten Beispiele stammen aber (bis auf einen) tatsächlich aus der Zeit, als ich Carta noch gar nicht kannte, und daher kann ich, ohne eine ausführliche Lektüre (die ich mir jetzt aber nicht „antue“, sorry) dazu nichts sagen. Was deinen zweiten Punkt angeht, werde ich das mal näher beobachten. Vorläufig kann ich aber nur sagen, dass Kommentarfunktionen meist zu einer Eigendynamik führen. Und zum ersten Punkt: Die Eingeschränktheit der Autorenvielfalt habe ich selbst auch bemängelt, da liegen wir nicht weit auseinander.

  2. mister-ede sagt:

    Ich will Carta nicht pauschal bewerten, und schon gar nicht die einzelnen Autoren. Dafür sind ja die Autoren auch viel zu eigenständig. Einige Autoren und Beiträge sind entsprechend gut lesbar und nach meiner Wahrnehmung sachlich. Doch es gibt eben meines Erachtes auch „manche“ Ausnahmen.
    Schöne Grüße aus dem Siegerland

  3. […] sichtbar wurde, dass die Ein- bis Zweipersonen-Redaktion an ihre Grenzen gekommen war. Schon vor mehreren Monaten habe ich angemahnt, dass man diese vergrößern müsste. Allerdings muss man auch sagen, zu anderen Zeiten haben die […]

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