Der tiefe Fall des Internets

Veröffentlicht: 20. Februar 2014 in Politik
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Das Netz ist nicht gut oder böse, sondern das, was wir daraus machen – demokratisch, originell, aufmuckend oder schlafend, strahlend und dreckig. Es hat so viel Potential wie seine User, aber auch soviel, wie man ihm zuschreibt.Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass das Internet ganz wichtig war. Als die böse NSA die hiesige Kommunikation, wie auch die vom Rest der Welt, abhorchte und durchlas, wurde sogar eine eigene Infrastruktur, ein Euronet, gefordert – vor allem als der Verdacht aufkam, dass Industriespionage auch nicht ausgeschlossen werden konnte. Snowden und Glenn Greenwald wurden die Helden der Informationsgesellschaft und auch die rauschenden und raschelnden Medien mussten die Bedeutung des Netzes neu einschätzten.

Nochmal zu Wiederholung, das Netz war wichtig und die freie Meinungsäußerung das höchste Gut, für das man sich um ein Haar mit der USA anglegt hätte.
Nachdem das Thema erfolgreich verdrängt wurde und letztlich auch keine Konsequenzen gezogen wurden, änderte sich auch wieder die Einstellung zum Netz. So muss man wohl feststellen. Denn als die User in Sachen Schwarzer und Lanz in unterschiedliche Art und Weise ihre spezifischen Möglichkeiten, Shitstorm und Online-Petition, anwendeten, stand die Medienlandschaft bis auf wenige Ausnahmen geschlossen dem „Pöbel“ aus dem Netz gegenüber.

Und nun der Fall Sebastian Edathy. Neben der peinlichen Tatsache, dass die CSU auch noch beleidigt ist, dass amigohaftes Verhalten von dummdoofen Sozialdemokraten nicht gutiert wurde, mutiert das Netz zurück zur Schmuddelecke. Ein Darkroom, aus dem sich Männer legale und illegale Bildchen bestellen können. (Und schon müssen Gesetzte verändert werden.)  Pfui.

Ob sich die Bundeskanzlerin, die sich ja erst im letzten Jahr in Sachen Internet auf den Stand bringen musste, nun für Rechte innerhalb eines unapettlichen virtuellen Raums noch einsetzen wird – selbst wenn sie es wider Erwarten tuen wollte – darf man wohl bezweifeln. Wie praktisch.

Aktualisierung 23.2.14: einen wunderbaren Text zum Sinn bzw. Unsinn der ablenkenden Debatte um Kinder(nicht)bekleidung hat Roberto De Lapuente geschrieben: Tante Agathe, dieses perverse Luder.

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