Selbstkasteiung

Veröffentlicht: 24. Januar 2014 in Uncategorized
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Ich hatte heute eine Mail im Posteingang, über die ich mich erst gefreut habe. Wolfgang J. Koschnick, Autor der Texte mit dem ich mich zwei Tage gequält habe, fragte mich, ob ich eine „Replik“ von ihm auf meine Kritik hier veröffentlichen würde: na klar.Die Antwort finden Sie/findet als Kommentar unter meinem Text „Quo vadis Telepolis„. Kommentare zu kommentieren, find ich wenig ergiebig, dennoch muss ich mehrere Anmerkungen machen:
Ich bin ein Freund der Rhetorik und die beherrscht Koschnick ohne Zweifel, wo dies allerdings auf meine Kosten geht, hört die Liebhaberei auf. So unterstellt er mir Tricks, nicht sehr redlich zu argumentieren und ihm etwas unterstellen, um schließlich diese Unterstellung zu kritisieren. Ich habe in meinem Text ausführlich zitiert und verlinkt, wer also Koschnicks Ausführungen mit meinen Aussagen vergleichen möchte, hat ausgiebig Gelegenheit dazu und wird sich wahrscheinlich wundern. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass der gesamte Text (alle acht Aufsätze zusammen etwa 60 DIN A4 Seiten, wenn man die Formatierung nicht ändert) eine derartige Länge aufweist, dass selbst Koschnick nicht immer die Stelle richtig angibt, auf die ich mich bezogen haben soll. Und Asche auf mein Haupt, wahrscheinlich (eher sicher) habe ich auch Fehler gemacht, kommt vor, ich hoffe auf Entschuldigung.

Die Stelle etwa in der ich ihm vermeintlich eine „Feindseligkeit gegenüber dem Grundgesetz zu unterstellen“ versuchte, folgt auf die Passagek, die Koschnick zitiert. Den Wortlaut habe ich angeben. Und weil er diese Passage meines Textes als Beispiel für die „Verzerrung [s]einer Aussagen“ nennt, möchte ich hierauf einen genauen Blick lenken.

Diese Stelle findet man unter der Zwischenüberschrift: Staatliche Parteienfinanzierung galt bis vor kurzem als unzulässig.

„Das Bundesverfassungsgericht vertrat übrigens bis 1992 die Position, staatliche Parteienfinanzierung sei unzulässig. Ob es dafür oder dagegen war, ist eigentlich ziemlich gleichgültig. Brisant war die Begründung. Es meinte nämlich, mit Staatsmitteln bekämen die politischen Parteien die Macht, den Volkswillen zu beeinflussen. Und das dürfe in einer Demokratie nicht sein. Die Demokratie sei ernsthaft in Gefahr, wenn der Staat den politischen Parteien Gelder in die Hand drückt, mit denen sie Propaganda finanzieren, die das Volk beeinflusst – mit der Folge, dass sich das Volk beeinflussen lässt, weil es der staatlich finanzierten Propaganda auf den Leim geht.“

Das Problem an dieser von mir kursiv gestellten Passage ist, dass der Hauptsatz im Konjunktiv steht, was indirekten Rede signalisiert, die folgenden Nebensätze jedoch im Indikativ stehen und unklar ist, ob Koschlick paraphrasiert und/oder wie nahe er an der Urteilsbegründung bleibt. Dies hat an dieser Stelle nichts mit Kleinkarriertheit zu tun, sondern stellt sprachlich für die LeserIn die einzige Möglichkeit dar, den Urheber des Textes zu identifizieren. Eine Onlinequelle der Urteilsbegründung, mit deren Hilfe ich hätte überprüfen können, ob das Wort „Propaganda“ dort verwendet wird, habe ich leider nicht gefunden, weil das Bundesverfassungsgericht seine Urteile erst seit 1998 digitalisiert ins Netz gestellt hat und ein Verweis fehlt. Bezogen habe ich mich aber auf folgende Stelle:

„Manchmal fragt man sich, wie kacknaiv Verfassungsrichter sein können, wenn sie ernsthaft wähnen, es sei von Übel, dass politische Parteien „den Volkswillen beeinflussen“. Ja, was denn sonst? Die machen doch den ganzen lieben langen Tag nichts anderes.“

Und weiter geht es direkt im Anschluss mit diesem Absatz:

„Politische Parteien engagieren dafür heute große Werbe- und PR-Agenturen, die den politischen Prozess und alle Wahlkämpfe von vorn bis hinten durchgestalten und keinen noch so lächerlichen Pfurz dem Zufall überlassen, wenn es darum geht, die Wähler zu manipulieren.“

Hinzugefügt sei, dass ich in dem Absatz, um den es hier geht, die Sprache der Aufsätze betrachtete und bezüglich der obigen Stelle feststellte:

„Neben dem „kacknaiv“ ist hier erwähnenswert, dass die verfassungsmäßige Aufgabe, die im „Artikel 21 GG steht, an der „politischen Willensbildung des Volkes mit“zuwirken, als Vorwurf formuliert ist und eher im Sinne von Manipulation verwendet wird.“

Entscheiden Sie selbst. Was mich aber wirklich ärgert sind folgende Stellen:

„Ist der Autor in seiner Bücherwelt so verstrickt, dass er es nicht akzeptieren kann, wenn jemand anhand des eigenen Kopfes denkt?“ – Achtung Herr Koschnick, lesen gefährdert das eigene Denkvermögen, nicht versuchen. Mir kommt so etwas nie in den Sinn, viel zu anstrengend.

„Sonst gäbe es ja nichts zu kritisieren…“. So wie es Koschnick egal ist, ob er kritisier wird oder nicht, weil er sich sicher ist, dass er Recht hat, so egal könnte mir sein Text sein. Auch meine Zeit ist begrenzt und mir seine Person (die ich erst gegoogelt habe) nicht wichtig genug, um erst alles umzuschreiben, um etwas kritiseren zu können. Ich habe den Text gelesen und fand persönlich genügend Kritikpunkte.

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