Der Zeitgeist Wallander

Veröffentlicht: 16. Dezember 2013 in Kultur, Literatur
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photo credit: h-bomb via photopin cc

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Die 90er und die Nuller Jahre waren für Freunde von Bücherreihen und Mehrteiler eine wahre Freude. Kommissario Brunetti, Harry Potter und Wallander. Und wenn nicht gerade ein Buch erschien, kam eine Kino- oder Fernsehverfilmung der Reihen heraus. Obwohl aus meiner Sicht die Mellenium-Triologie den Höhepunkt darstellte, ist Wallander die Reihe der späten 90er. Während ich das schreibe, höre ich das Hörbuch zum Roman oder zum Film: Wallander. Was mich beim Erscheinen der Krmis damals faszinierte, waren die politischen Rahmungen der Romane. Neben dem brummigen Kommissar, der mit seinem Job verheiratet ist und unter seiner Einsamkeit und seinem Gewicht leidet, war die Globalisierungskritik und der Wandel in der schwedischen Gesellschaft ein wiederkehrendes Thema. „Doch drängt sich der Gedanke auf, dass die Ordnung, die wiederhergestellt werden soll, die eigentliche Unordnung ist“ (Jehle, P.: Editorial II: Kriminelle Verhältnisse, in: das Argument, 278, S. 515.). Wallander leidet an der Kriminalität als Tabubruch gegen die Ordnung genauso wie an der normalen Unordnung, den legitimierten sozialen Verhältnissen.

Dieses Leiden an der bestehenden Ordnung und die Globalisierungskritik, aber genauso die Tendenz am Lokalen Idyll festzuhalten, was in der immer wiederkehrenden Schilderung der Gemälde von Wallanders Vater auftaucht: Landschaftsmotive mit oder ohne Auerhahn – stellen für mich ziemlich gut die späten 90er dar. Eine Einstellung, die jedoch immer wieder gebrochen wird, wie das auch das gemalte Landschaftsmotiv entleert ist, handelt es sich dabei doch um handwerkliche „Massenproduktion“ und um das einzigen Motiv des Malers Wallander.

Diese Anklänge an Kritik sind aber weitgehend aus den Verfilmungen und Hörbüchern verschwunden. Zwar ist die Kritik an der Apartheit ín „die weiße Löwin“ deutlich, doch bleibt dies hinter meinen Erinnerungen zurück. „Das Potential an Sozialkritik, mit dem dieses der europäischen Romantik entspringende, immer wieder wie neu auftretende Genre aufwarten kann, hängt von der Öffentlichkeit ab, die es von ihm verlangt.“ (ebd., S. 516). Hab also ich mich verändert?

Heute höre ich die Hörbücher und denke mir die Passagen dazu, die fehlen.

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