Nachwissenschaftliches Zeitalter?

Veröffentlicht: 7. November 2013 in Gesellschaft, Kultur
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Man kann ja zur Wissenschaft stehen, wie man möchte. Bis vor einiger Zeit dachte ich jedoch, dass deren Stellenwert jedoch einigemaßen gesichert sei. Obwohl, es gab und gibt doch einige Anzeichen, dass sich da Einiges ändert. Ein Anzeichen mögen die vielen Brennpunkte sein, in denen WissenschaftlerInnen zu Co-Journalisten, zu sogenannten Experten werden. Sie äußern sich zu allem und jedem. Gilt dies für die SozialwissenschaftlerInnen alleine? Ich glaube nicht? Zumindest die Erziehungswissenschaften müsste man auch noch nennen, die für immer weitere Moden zuständig sind und seit PISA an weiteren Einfluss gewinnen.

Dass die Naturwissenschaften von Moden nicht frei sind, davon hat schon Ludwik Fleck berichtet und dass die Wirtschaftswissenschaften ebenfalls trendy sind, das hat man  spätestens seit 2008 sehen können, wobei die Politik alles tut, die Lehre von freien Markt weiter up to date zu halten. Und die Wirtschaftswissenschaften selbst beharren, zäh wie Kaugummi, an ihrer Lehre.

Wie ich schon mal erwähnt habe, stecke ich in der praktischen Phase der Lehreraus-bildung. Gestern machten wir einen Ausflug in eine Bewegungsschule. Das Zappelphilippe oder ADHS Kinder Bewegung brauchen, ist einsichtig, dass Kindern in der Schule Bewegung fehlt auch. LehrerInnen sollten also für Bewegung im Klassenzimmer sorgen, das steigert die Konzentrationsfähigkeit, haben wir gestern gelernt und ist ein alter Schuh.

Uns erwartete nämlich eine PowerPoint-Präsentation, die uns die körperlichen Organe, das Sensorische und vor allem den Gleichgewichtssinn vorstellte. Bewegung und körperlichen Kontakt, etwa durch eine durch Gewichte erschwerte Decke, wurden als  eine Lösung angeboten. Bewegung soll sogar bei der Synapsenbildung helfen. Die neurowissenschaftlich begründete Lerntheorie, die das Bild des Netzwerks übernommen hat, argumentiert mit der Synapsenbildung als Voraussetzung für das Lernen, bzw. das Anknüfen von neuem Wissen an bestehendes Wissen. Inhalte sind dafür zentral. Wenn Bewegung der Synapsenbildung dient, hört sich das entsprechend toll an. Dass dies andere sein müssen, weil sie eben nicht an kognitives Wissen sonder an motorischen „Fertigkeiten“ anknüpfen, wurde einfach mal beiseite gelassen. O.K.

Nun kann man sagen, dass die Verwendung von „wissenschaftlichem“ Wissen in diesem Rahmen doch eher für eine Omnipräsenz der Wissenschaft spricht. Die Methoden (PPP), das Vokabular und ein paar lateinische Brocken haben aber kaum etwas mit Wissenschaft zu tun. Viel mehr verdecken solche Vorführungen, dass man sich den Anstrich zwar gegeben muss, dass dabei aber der Rest der Wissenschaftlichkeit flöten geht.

Dass dies in der Lehrerausbildung Platz hat, sagt entsprechend viel über die Lehrerausbildung aus. Diejenigen, die ihre Legitimation u.a. durch ihr wissenschaftliches Studium bekommen, scheinen anderen Erkenntniswegen den Vorzug zu geben. Alle Wege haben ihre Berechtigung. Verschiedenen Erkenntniswege zu unterscheiden und zu gewichten, geht dabei verlustig.  Und hier schließt sich der Kreis.

Egal ob die Brennpunkt-Experten aus den Hochschulen oder PPP gestütztes Erfahrungswissen im Gewande der Wissenschaftlichkeit, beides hat m.M. nach nur entfernt mit Wissenschaft zu tun. Wissenschaft braucht Zeit, ist methodisch gestützt und entwicklet sich in stetiger Auseinandersetzung der wiss. Positionen. Die muss man ihr auch zugestehen, tut man dies nicht, ist deren Erkenntniswert so genau groß wie Handlinienlesen.

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