Mein Camus

Veröffentlicht: 7. November 2013 in Literatur
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photo credit: BC - VNBC via photopin cc

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Es gibt Bücher, die kann ich immer wieder lesen und es gibt welche, die werde ich kein zweites mal lesen und doch sind sie mir fast lieber als  die anderen.Bei diesen Büchern weiß ich noch, wann und in welcher Sitation ich sie gelesen habe, auf dem Hochbett, in meiner zweiten Studentenbude, nachdem ich vom Unistreik pardon, Hochschulstreik nachhause gekommen bin.

Nach Plena, die Wichtiges und Unwichtiges zu Themen hatten und in denen ich hin und her gerissen war zwischen der Aussprache des Binnen-I und der großen Politik, Hochschulgesetz, Aktionsgruppe, Studiengebühren und konsekutiven Studiengegängen und Globalisierung. Kurz, eigentlich war ich bis über beide Ohren erfüllt mit Eindrücken und fremden Ideen. Und wenn ich dann so auf dem Hochbett lag, las ich „Der Mensch in der Revolte„. Kam mir einfach passend vor. Mehr wusste ich nicht, als ich mich für dieses Buch entschied, aber alleine die Zahnräder auf dem Cover und der Titel haben mich angesprochen. Und das Zauberwort „Essay“.

Das Wort macht mich heute noch an, gerade, weil ich auch zig Jahre später immer noch nicht so ganz genau weiß, was es ist, außer das alles viel schöner und toller geschrieben ist als bei einem Aufsatz. Wenn ich hörte, in diesem oder jenem Seminar schreibt man keine Hausarbeit sondern einen Essay, war ich fasziniert. Ich hab bis heute keinen geschrieben.

Später hab ich dann erfahren, dass ich eigentlich Satre hätte lesen sollen, zu spät, bei mir hatte Camus gepunktet. „Das Absurde und der Mord“ waren ein interssanter Einstieg. Nachdem mich „Die roten Matrosen“ für Rosa Luxemburg empfänglich gemacht hatten, die Deutsche Einheit mich für die Argumente des Anarchismus (in Dokumenten) geöffnet hatte, fand ich diesen Buchanfang als passende Begleitmusik zum Streiken. Die „Revolte ist die Tat des unterrichteten  Menschen, der das Bewußtsein seiner Rechte besitzt.“ wow. Uns sollten neue Gesetze vor die Nase gesetzt werden, das genügte auch. Ich hatte weder eine Ahnung von den Brüdern Karamsow noch von Ivan, aber ich habe folgendes  unterstrichen: „Mit den Brüdern Karamsow dagegen kehrt die Logik der Entrüstung die Revolte gegen sich selbst und verstrickt sie in einen hoffnungslosen Widerspruch.“ Schlimm. Manchmal denk ich, meine beste Zeit ist wohl vorbei, denn ich habe es nie wieder geschafft, dieses Buch noch einmal zu lesen – trotz einiger Versuche.

Aber ich weiß, dass mir das Buch damals was gesagt hat und mich auch ein Stückchen geprägt hat. Nicht letzt, weil Camus bis heute gemeinsam mit James Dean der Raucher par excellence ist. In Zeiten ohne blauen Dunst und blassem Schimmer ist Camus eine Stütze. Und zu meiner Ehrenrettung hat Camus ja noch anderes geschrieben, was ich auch noch heute lesen kann, etwa: „Verteidigung der Freiheit“.

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