Wohnst du schon oder lebst du am Rand

Veröffentlicht: 21. Oktober 2013 in Gesellschaft, Politik, Punkgebte
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photo credit: URBAN ARTefakte via photopin cc

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Am Samstag war der European Action Day for the Right to Housing and the City, ein Tag, an dem daran erinnert wurde, dass in unserer auf urban getrimmten Welt auch das Recht auf Wohnen einkommensabhängig ist – weil man fürs Dasein einen bezahlbaren Ort braucht – Darseinsfürsorge.

Die Süddeutsche schrieb in ihrer Onlineausgabe gestern über eine Satireaktion der „Goldgrund Immobilien Organisation“ mit dem Namen „Die Zukunft Münchens – Wir können nur spekulieren“, ob diese satirische Stadtrundfahrt mit dem Aktionstag zusammenhängt, bleibt offen. Auch die Facebook-Seite spricht zwar vom „gediegenen Häuserkampf“, stellt keinen Zusammenhang her, dafür aber die interessante Frage:

„Muss wirklich jede Diskussion zur Gestaltung des öffentlichen Raums, ja des öffentlichen Lebens als erstes unter dem Vorzeichen der völlig überhitzten Immobilienpreise geführt werden? Müssen sich Freiräume und gemeinnützige Vorhaben permanentem Rechtfertigungsdruck aussetzen lassen? Was darf sich auf diesem fast unbezahlbaren Boden noch entfalten?“

Ernster wurde das Thema in Berlin angegangen, dort besetzen „obdachlose Familien“, wie es auf Telepolis heißt oder eine Gruppe, „die im Rahmen des ‚Europäischen Aktionstag Wohnen‘ aktiv ist“, die Polizeiwache. Auf den ersten Blick, eine seltsame Idee, doch wie man auf dem Blog Rathausstern-lichtenberg lesen kann, ist das Gelände verlassen und wird nach dem Schließen der Wache nun „sporadisch (hauptsächlich für Dreharbeiten)“ (ebd.) genutzt.
Dennoch wurde das Revier von der Polizei geräumt, quasi das zweite mal.

Der Aktionstag hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Situation in den Städten weltweit die gleiche ist und die Stadt nicht mehr als Wohn- sondern als Arbeitsort und als Spekulationsobjekt dient. „We want to promote an ethical and just approach where housing is treated as a human right and a basic human necessity and where everyone has real access to the cities in which they live“, heißt es denn auch im Aufruf.

Erfreulicherweise sind bei zahlreichen Aktionen europaweit diese Ziele unterstützt worden, wobei die Formen des Protests unterschiedliche waren, wie auf den Blog (http://europeandayofactionforhousingrights.wordpress.com/) der Bewegung nachzulesen ist.

Dass das Problem ein Selbstgemachtes ist und mit den neoliberalen Umtrieben im gemeinsamen „Haus Europa“ (Sprachgebrauch unter Kohl) zu tun hat, darauf verweist die Berliner Mieter Gemeinschaft in ihrer Reihe „Wohnen in der Krise. NEOLIBERALISMUS – KÄMPFE – PERSPEKTIVEN“ hin.
Bezahlbarer Wohnraum und zu hohe Mieten war ein fast-Wahlkampfthema, hoffen wir, dass es weiterhin auf der Agenda bleibt und oder bald wieder draufsteht, denn wie sangen Ton, Steine, Scherben“ so schön, „das ist unser Haus“.
Moderner ist der Sprechgesang von Goldgrund, dennoch ist nichts hinzuzufügen.

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Kommentare
  1. alphachamber sagt:

    Warum verlangen gerade die Einkommenschwächsten ein Recht auf Wohnen in den Metropolen. Jeder sollte ein klima-geschütztes Dach über dem Kopf haben als Grundrecht, nicht aber in einer „gewünschten Lage“.

  2. alphachamber sagt:

    Wer IST der Konstukteur, wer ist der „Herr der Werte“, wenn nicht der Einzelne -Der Staat?
    Nette Grüße

    • kultgenosse sagt:

      Dér Untertitel meines blogs verweist schon darauf, ich denke in Kräfteverhältnissen und setze auf die Gesellschaft, also auf uns. Veränderungen setzen veränderte Wahrnehmungen vorraus, Punkgebete dienen der Veränderungen der Wahrnehmung. Freund-Feind-Reflexe sind zu simple.

  3. alphachamber sagt:

    Danke für Ihre Antwort. Jetzt sind wir bei allgemeinen Dingen.

    „…die Gesellschaft, also auf uns…“ Ein kühne Aussage. Z.B. bin ich Teil der Gesellschaft, stimme aber mit dem Sozial-Aktivismus meist nicht überein. (Siehe: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2012/12/08/der-mythos-des-allgemeinwohls/

    „Veränderungen setzen veränderte Wahrnehmungen vorraus…“ Eher nicht. Ich meine, die Deutschen leben hauptsächlich in einer Welt der Perzeption und rationalisieren, anstatt zu konzeptualisieren.

    Ihrem letzten Satz stimme ich zu.
    Es ist Ihr Blog und ich möchte nicht das letzte Wort beanspruchen.
    Nette Grüße

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