Gegenübungen

Veröffentlicht: 8. September 2013 in Kultur, Punkgebte
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Eben hat mich ein Blogbeitrag mal wieder aus dem geplanten Tagesablauf gerissen. Kerstin Butta hat eine Folge von Hildebrandts stoersender.tv auf ihre Blog gesetzt. Eine Einladung, die ich nicht ablehnen konnte.
Die Sendung hat gezeigt, dass der Moderator nahezu überflüssig ist, wenn die Gäste etwas zu sagen und Lust auf einen Austausch haben. Und plötzlich haben da vier Menschen diskutiert und ich habe vergessen, dass das Format an eine Talkshow angelehnt sein sollte. Und obwohl die Sendung „Ausreden“ hieß, müssten alle Talkerinnen erblassen, verglichen sie die Diskussionskultur dieser Sendung mit einer ihrer Shows.

BildDie spannendste Stelle war für mich, wie Richard Gutjahr (Journalist), Harald Welzer (Direktor der Stiftung FUTURZWEI (www.futurzwei.org) und Sandra Kreisler (Wortfront) und natürlich Dieter Hildebrandt anschaulich erklärten, wie der selbstbestimmte Mediennutzer in den Köpfen der Medienmacher zum unterschätzten Konsumenten wurde. Nach Kreislers Feststellung, dass das Fernsehen und die Zeitungen die Leute nicht mehr ernst nähmen, brach es quasi aus Gutjahr heraus. „Unser Problem ist, dass wir oft Programme machen, die wir nie und nimmer gucken würden. Wo sie selbst sagen, uns langweilt das, wir wissen es ja besser, aber wir müssen es ja machen, damit es alle verstehen.“ Und Hildebrandt konnte aus seiner umfangreichen Medienerfahrung folgende Beobachtung zur Sendezeit beitragen. „Die Sendezeit ist ein Signum für Qualität und Intelligenz, zumindest bei denen, die disponieren. (…) In Wirklichkeit, ist ihre Rechnung, dass die Klugen länger aufbleiben. Das heißt, sie wollen in andere Köpfe gar nicht rein“! Die ist eine Form der Klassengesellschaft in den Köpfen. Die Gegenüberstellung von Verständlichkeit und Inhaltsleere ist dabei problematisch. Das Gegenteil ist der Fall: Wer sein Thema beherrscht, kann klar formulieren, ohne am Inhalt zu sparen.

Themawechsel, wir bleiben beim Thema. Roberto J. De Lapuente machte in seinem Blog auf die Ein-Wort-Wahlplakate aufmerksam, die zurzeit am Straßenrand hängen oder stehen. Ein Wort, etwa „Bildung“ oder „Arbeitsplätze“, soll bereits eine Aussage darstellen – allerdings eine ziemlich inhaltsleere. Heißt „Bildung“ Bildung für alle, kostenpflichtige Bildung, oder vielleicht Privatschulen? Man kann reinlesen, was man möchte. ParteipolitikerInnen verweisen vermutlich auf Nachfrage aufs Parteiprogramm, das die wenigsten lesen. Aber genauso, wie ein Wahlplakat mir vermitteln können sollte, warum ich jemanden bzw. eine Partei wähle, sollte mir ein Fernsehprogramm auch Inhalte vermitteln. Man darf mich fordern, ich will denken, und viele andere auch. Mehr Inhalte vor Mitternacht im Fernsehen und mehr Inhalte auf den Wahlplakaten, ich will etwas lernen, meine Neugier soll geweckt werden!

Doch Gutjahr und Welzer machten auch deutlich, dass es sowohl in den Medien als auch in den Hochschulen (Stichwort Bolognaund darüber hinaus) viele Einzelpersonen gibt, die sich in Meinungs-Opposition befinden, aber in der Annahme eine Einzelmeinung zu vertreten, resigniert mitmachen. „Wir müssen eine Gegenübung“ zur herrschenden Praxis machen, kommentierte Welzer.
Die Medien und politischen „Eliten“ nehmen uns nicht mehr ernst. Zeit sich in Erinnerung zu bringen!

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