Bitte Einsteigen – Moralisierung und Sachzwang

Veröffentlicht: 30. August 2013 in Uncategorized
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by Andreas Hendrik

Die Konstellation ist bekannt. Hier stehen die Kriegsgegner, dort die die Verteidiger der Menschenrechte und der Freiheit. Zum Schiedsrichter werden Inspektoren gemacht. Dabei hat sich die Internationale Atomenergiebehörde und ihr damaliger Chef, der heutige ägyptische Oppositionspolitiker und Anteilseigner am Friedensnobelpreis, ElBardei im Vorfeld des Kriegs gegen den Irak nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und heute will man erst das Ergebnis der Inspektoren abwarten. Dabei ist jetzt schon klar, dass die realen Machtverhältnisse bei der Interpretation der Ergebnisse eine entscheidende Rolle spielen. Und die Erkenntnisse der Geheimdienste sollen weiterhelfen. Die Erfahrungen, die die USA und andere Ländern und nicht zuletzt Deutschlands mit seinen Diensten gemacht hat, sollten eigentlich dazu führen, dass man genau das Gegenteil zudem macht, was einem die Dienste raten.

Bereits am Wochenende sollen die ersten Demos gegen den drohenden Krieg in Syrien stattfinden, wobei die SZ schreibt, dass die Europäer die USA bremsen wollen. Andererseits heißt doch es die ganze Zeit, der andere Friedensnobelpreisträger, der aus dem weißen Haus, denkt noch nach. Gestern Abend fand im Radio, WDR 2, die erste von vermutlich vielen kommenden Diskussionsrunden statt. Im quasiphilosophischen Ton werden die Hintergründe beleuchtet, wobei niemand bemerkt, dass sich selbst diese Fragen immer wieder wiederholen und letztlich keine Rolle spielen. Allerdings dienen die Diskussionsrunden der Legitimation, egal, wie es ausgeht. Man hat es sich nicht leicht gemacht, das kann niemand behaupten – sonst noch Einwände? Auch so kann man die Werte, die man am Hindukusch verteidigt, erledigen.

Der unmenschliche Einsatz von Giftgas auf der einen, der Zerfall eines souveränen Staates auf der anderen Seite. Das unendliche Leid der Zivilbevölkerung hier, die Erfahrung des Scheiterns bei solchen Interventionen dort. Ein Diktator, dem sein Volk egal ist, steht für, die Kollateralschäden innerhalb der Bevölkerung gegen einen Einsatz. Und die Menschrechte und das Völkerrecht stehen je nach Standpunkt für das sowohl als auch. Die Moral wird solange geschlagen, bis sie zähflüssig und klebrig wird. Ein Hörer sagte sinngemäß: Mein Verstand ist für einen Eingriff, mein Herz dagegen, oder war es umgekehrt? Altbekannte moraltriefende Pro- und Kontra-Standpunkte laufen schließlich auf die alles entscheidende Frage hinaus: Darf sich Deutschland enthalten? Wie war das doch mit Afghanistan und dem Irak, Schröder, die DAF und dem NATO-Vertrag?

Wie sagte der Literaturpapst Reich-Ranicki: der Vorhang zu, alle Fragen offen. Und wer sich aktuell über die Einschätzung wundert, der möge noch ein wenig abwarten ;-(

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